7.3. Präsenz im Spannungsfeld von semiotischem Körper und phänomenalem Leib. Der Ansatz Erika Fischer-Lichtes
Erschienen in: Recherchen 177: Die Leiblichkeit der Texte (04/2026)
7.3.1. »Embodied mind« I: Einlösung eines zivilisatorischen Glücksversprechens
7.3.1. »Embodied mind« I: Einlösung eines zivilisatorischen Glücksversprechens
Die in der Theaterwissenschaft am intensivsten rezipierte Präsenztheorie stammt von Erika Fischer-Lichte. Sie entwickelte in ihrer 2004 erschienenen Ästhetik des Performativen das Konzept der »schwachen«, »starken« und der »radikalen« Präsenz. Mit Hilfe des Präsenzbegriffs soll die einzigartige anthropologische Funktion performativer Prozesse ausgewiesen werden. Über die Erzeugung von Präsenz und deren Übertragung auf die Zuschauer, so Fischer-Lichte, seien Bühnen-Darstellerinnen und -Darsteller heute tatsächlich in der Lage, ein zivilisatorisches Glücksversprechen einzulösen, demgegenüber die allgegenwärtige Präsenz medialer Unterhaltungsangebote nur Surrogate zu liefern vermag.
Der Diskurs, der seit der performativen Wende von Theater, Aktions- und Performance-Kunst sowie in der ästhetischen Theorie um den Begriff der Präsenz geführt wird, ist in prononcierter Weise auf die die abendländische Tradition dominierende Körper-Geist-Dichotomie bezogen. [...] Der abendländische Zivilisationsprozess baut auf der Dichotomie von Körper und Geist auf. Er schreitet angeblich um so erfolgreicher voran, je besser es dem Menschen gelingt, seinen Körper der Kontrolle seines Geistes zu unterwerfen, von seinem Körper zu abstrahieren [...]. Am Ende dieses Prozesses wird dann die Dichotomie aufgehoben sein, der Körper vollkommen im »Geist« aufgelöst. Präsenz erfüllt dieses Versprechen nun in der Tat – sie hebt die...
















