Gespräch
Was macht das Theater, Martin Heckmanns?
Im Gespräch mit Michael Helbing
von Michael Helbing und Martin Heckmanns
Assoziationen: Dramatik Thüringen Dossier: Was macht das Theater...? Meininger Staatstheater
In seinem berühmten Köln-Konzert im November 1976, das zwei Tage vor seinem vierzigsten Geburtstag stattfand und ihm einen Tag nach diesem die Ausbürgerung aus der DDR einbrachte, rief der damals noch kommunistische Liedermacher Wolf Biermann ins Publikum: „Ihr sollt nicht höflich zu mir sein!“ Inwiefern haben Sie sich in Ihrem Stück über ihn daran gehalten?
MH: Streitlustig wäre tatsächlich das erste Adjektiv, das mir zu Biermann einfällt. Seine Aufforderung zur Unhöflichkeit gilt aber für eine Dialogsituation, in der beide Seiten reagieren können. Ich habe mich dieser Figur aus großem Abstand mit Neugier und Respekt genähert. Die unhöflichen Einwände im Stück liefern u. a. die Stimmen von Peter Hacks und Kurt Hager, später Bild-Zeitung und Bunte.
Wie haben Sie sich dem Gedanken genähert, aus Biermann fünfzig Jahre nach Köln und im Jahr seines neunzigsten Geburtstags eine Theaterfigur zu machen, ohne hagiografisch zu werden?
MH: Biermanns Texte suchen oft den Konflikt, viele Lieder sind direkt adressiert. Sein erstes öffentlich vorgetragenes Gedicht, „An die alten Genossen“ (1962), fordert die Angesprochenen zum Rücktritt auf und hat entsprechende Reaktionen provoziert. Biermann ist auch in der Selbstinszenierung als Drachentöter eine theatrale, märchenhafte Figur auf der Suche nach Antagonisten. Ich habe versucht, diese historischen Kämpfe nachvollziehbar zu...

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