Editorial
Editorial
von Thomas Irmer
Erschienen in: Theater der Zeit: Russische Theaterkünstler im Exil (10/2026)
Assoziationen: Dossier: Russland

„Wenn ich an Russland denke“, sagt der heute in Berlin lebende Theater- und Filmregisseur Kirill Serebrennikow, „habe ich nur einen Gedanken: Stoppt den Krieg. Nichts anderes. Hört auf, Menschen zu töten!“ Serebrennikow, der gerade die erste Ausgabe seines Festivals „Kirill & Friends“ in Berlin erfolgreich abschloss, gehört zu den Künstlern und Künstlerinnen der russischen Emigration, für die sich neue Möglichkeiten eröffneten. Andere haben sie nicht in dieser Dimension oder vermissen sie ganz und gar. Olga Fedyanina, die am Staatstheater Cottbus seit dieser Spielzeit die dramaturgische Leitung des Schauspiels übernommen hat, beschreibt die einzelnen Aspekte, die russische Theaterkünstler:innen, aber nicht nur diese allein, in der Emigration betreffen.
Wir haben in der Redaktion abgewogen und diskutiert, was es bedeutet, in dieser Situation des Kriegs gegen die Ukraine einen Schwerpunkt mit diesem Thema zu machen, der einigen vielleicht als unsolidarisch mit ukrainischen Theaterleuten erscheinen könnte. Gewiss, ein äußerst sensibles Feld. Aber es handelt sich dabei eben nicht um eine politische Stellungnahme, sondern um das Interesse an diesen mittlerweile hier arbeitenden und lebenden Künstler:innen und ihrem Denken – und den von Marina Davydova oder mit Danila Korogodsky erzählten Verlusten. Letztlich interessierte in allen Gesprächen, auch dem mit Viktor Jerofejew, ob sich das russische Theater jemals von diesem Exodus und der politischen Repression erholen können wird.
In Heidelberg hat Bernadette Sonnenbichler ihre Intendanz mit einem viertägigen Theaterfest und drei Uraufführungen eröffnet. Ein großer Start mit hohem Anspruch, den TdZ-Redakteurin Elisabeth Maier in ihrem Beitrag ausführlich beschreibt. Und auf ganz andere, ungewöhnliche Weise hat das Berliner Maxim Gorki Theater mit einem Kunstprojekt von Sarkis und der Erinnerung an Tadeusz Kantor und John Cage eröffnet – dargestellt im Kunstinsert von Ute Müller-Tischler.
Am 18. Oktober wurde dem Schauspielensemble des Staatstheaters Meiningen der Martin-Linzer-Theaterpreis 2026 der Zeitschrift Theater der Zeit verliehen. Wir dokumentieren die Laudatio von Lina Wölfel und Michael Helbing. Aktuelle Kritiken wie immer unter tdz.de.

.png&w=3840&q=75)















