Geht ein Schauspieler auf die Bühne und sagt: „Theater ist nicht spannend.“ Klingt wie ein Witz. Ist im Grunde auch einer: eine Pointe und neue Dimension in einem alten, aber runderneuerten Monolog Thomas Brussigs, der im vergangenen Advent das Volkstheater Rostock und das Staatstheater Oldenburg erreichte. Steffen Schreier beziehungsweise Matthias Kleinert gaben den schlecht gelaunten Trainer des SV Börde. Der Mittfünfziger musste im Vereinsheim vertretungsweise eine Liveübertragung von der Fußball-WM in Katar betreuen. Die Originalspiele flimmerten übern Bildschirm, während er ins Reden kam, 45 Minuten lang. Nach der ersten Halbzeit war Schluss.
Der Typ ist Wiedergänger jenes Trainers, den wir 2001 im doppelt so langen Monolog „Leben bis Männer“ kennenlernten. Jörg Gudzuhn spielte den frustrierten Ossi, dessen Ziehsohn aus der Fußballmannschaft im Mauerschützenprozess angeklagt wird, über einhundert Mal an den Kammerspielen des Deutschen Theaters Berlin. Insgesamt gab es über fünfzig Inszenierungen.
Aus dem „Wendeverlierer“, so Brussig selbst, hat er nun einen „Wutbürger“ gemacht: immer noch mit DDR-Biografie, ungeimpft und beinahe an Corona verreckt, kein Freund von Frauen im Fußball sowie des Genderns. Der Titel „Mats Hummels auf Parship“ verweist auf ein bewusst schief gesetztes Bild, die Partnersuche der Ukraine in Europa betreffend.
Brussig weitet unzeitgemäße Betrachtungen seines Protagonisten auch aufs...