Anhang
von Julia Kiesler
Erschienen in: Recherchen 149: Der performative Umgang mit dem Text – Ansätze sprechkünstlerischer Probenarbeit im zeitgenössischen Theater (09/2019)
Anhang 1: Probenprotokollbeispiel aus der Probenprozessbeobachtung zu Biedermann und die Brandstifter (Max Frisch) in der Regie von Volker Lösch am Theater Basel
Zweite Chorprobe am 10. Januar 2014, 18.00–20.40 Uhr
Die erste Chorprobe fand gestern Abend von ca. 18 bis 20 Uhr statt, an welcher ich allerdings nicht anwesend war. Laut Beschreibung von Teresa, der Bühnenbildnerin, mit der ich vor der heutigen Probe ein kurzes Gespräch hatte, wurde gestern ein Text, bestehend aus zwanzig kurzen Abschnitten, verteilt, der von den Frauen und Männern des „Migrantenchors“ mit unterschiedlichen Aufteilungen gelesen wurde. Textpassagen seien einzeln, zu zweit, in kleineren Gruppen, von allen, nur von den Frauen oder nur von den Männern gelesen worden. Zum einen geht es darum, dass alle Beteiligten das zur Verfügung stehende Textmaterial und damit die aus den Interviews der Einzelnen gewonnenen Geschichten kennenlernen, zum anderen möchte die Regie mögliche Konstellationen ausprobieren und die Stimmen der einzelnen Männer und Frauen hören.
Die heutige zweite Chorprobe beginnt pünktlich um 18 Uhr, wieder im externen Probenraum in der Holbeinstrasse in Basel. Es sind elf von 13 Choristen anwesend, darunter sieben Frauen und vier Männer, weiterhin der Regisseur Volker Lösch, der Chorleiter Bernd Freytag, die Bühnenbildnerin Teresa Grosser, der Dramaturg Christoph Lepschy und inklusive meiner Person fünf weitere Assistent/-innen und Hospitant/-innen. Die gesamte Gruppe sitzt gemeinsam innerhalb eines grossen Stuhlkreises. Aus den Interviews mit den Laien wurden insgesamt ca. hundert Seiten Textmaterial generiert, welche nun in einem Arbeitsprozess vom Regieteam in mehreren Etappen auf ca. zehn Seiten gekürzt wird. Geplant ist, in zwei Wochen die endgültige Textfassung zu haben, welche die Migranten lernen sollen. Heute werden insgesamt drei mehrseitige Textblätter ausgegeben, ein weiterer Text, der von Martin Wigger, einem nicht an dieser Produktion beteiligten Dramaturgen des Schauspiel Basel, als in der Schweiz lebender Deutscher verfasst wurde, wird am Ende der Probe aufgeteilt von Bernd Freytag und Volker Lösch gelesen. Aber zum Anfang:
Der erste Text wird ausgeteilt. Er ist in englischer Sprache verfasst und besteht aus fünf kurzen Absätzen. Volker Lösch erteilt zwei Frauen die Aufgabe, Abschnitt Nr. 1 gemeinsam zu lesen. Sie haben Mühe mit der Synchronität, mit dem Tempo, mit der Sprache. Volker Lösch arbeitet mit ihnen. Er gibt ihnen Zäsuren und Akzente vor, die sie gemeinsam realisieren sollen und die sofort festgelegt werden. Sie probieren ein paar Mal den Text mit gemeinsamen Zäsuren und Akzenten synchron zu sprechen. Anschliessend weist sie Lösch auf eine Haltung hin, ohne dies so zu benennen. Er bezeichnet den Textabschnitt als freudig, also sollen sie ihn nicht so traurig und nicht so langsam lesen, sondern fröhlich. Dazu werden sie gebeten, aufzustehen. Danach geht es im Text weiter. Eine andere Frau wird von Lösch aufgefordert, den zweiten sehr kurzen Absatz des englischen Textes allein zu lesen. Sie spricht kein Englisch, also liest eine andere Frau diese Passage allein. Anschliessend liest eine vierte Frau den dritten Absatz. Sie sagt, sie könne nicht gut Englisch. An dieser Stelle schaltet sich der Chorleiter Bernd Freytag in die Arbeit ein. Bisher sind alle Anweisungen und Arbeitsansätze von Volker Lösch gekommen, nun arbeitet Bernd Freytag mit der Frau einzeln. Er weist sie an, lauter zu sprechen, es werden Zäsuren und gedankliche Abschlüsse („Punkte“) festgelegt, die von Bernd Freytag vorgegeben werden. Er gibt den Hinweis, dass sich alle Teilnehmer des Chores alle Zäsuren und Pausen sowie Akzente, die festgelegt werden, immer im Text notieren sollen. Anschliessend probieren alle vier Frauen, die bisher gesprochen haben, diesen Textabschnitt. Zugleich bekommen die Männer von Bernd Freytag die Aufforderung, nur die Wortverbindung „Kartoffelstock und Wurst“ mitzusprechen. Um eine bessere Synchronität im chorischen Sprechen zu erreichen, gibt der Chorleiter die Anfangsimpulse mit „und“ vor. Oft hört man sowohl von Lösch als auch von Freytag die Worte: „Achtung – und“, was den Choristen zunächst Konzentration und dann den gemeinsamen Sprechimpuls geben soll. Nach kurzer Zeit wird im Text weitergelesen. Eine andere Frau liest den Abschnitt 4. Lösch fordert sie auf, den Platz mit einer anderen Frau zu tauschen, damit sie neben der Frau sitzt, welche den Text im Interview erzählt hat. Beide sprechen den Abschnitt 4 und 5. Volker Lösch und Bernd Freytag wechseln sich in den Anweisungen beide ab, mal arbeitet der eine, mal der andere einen kurzen Abschnitt. Es wird noch nicht in die Tiefe gegangen, sondern ausprobiert, was möglich ist. Wenn sie kurz näher auf eine Textstelle eingehen, werden stets zuerst Zäsuren, Pausen, Akzente festgelegt, danach folgen Hinweise zu einer möglichen Haltung, es werden unterschiedliche Lautstärken oder auch Tempiwechsel ausprobiert. Die Schwierigkeit und grosse Herausforderung mit diesem „Chor der Ausländer“ zu arbeiten liegt in der unterschiedlichen Beherrschung der deutschen Sprache der einzelnen Beteiligten. Diese Texte auf Deutsch beispielsweise in schnellem Tempo zu sprechen und dabei noch im Chor verständlich zu werden, eine Präsenz und Kraft in der Sprache zu entwickeln, wird von Regisseur und Chorleiter am heutigen Tag als problematisch und fast nicht zu bewältigen eingestuft. Auch an mich werden Überlegungen herangetragen, eventuell mit den Teilnehmern ein Training zur artikulatorischen Geläufigkeit zu entwickeln, welches sie selbständig zu Hause üben können. Auch wird überlegt, die Gruppe phonetisch durch mich oder die Sprecherzieherin des Theaters Basel zu begleiten.
Dann teilt Lösch einen neuen Text aus. Er stellt die Frage, wer ihn lesen möchte, eine Frau beginnt zu lesen. Der Text ist in deutscher Sprache verfasst. Den nächsten Abschnitt bittet Lösch eine andere Frau zu lesen, den dritten Abschnitt lässt er die Frau lesen, von welcher die Erzählung stammt. Der Abschnitt beginnt mit dem Satz: „Zum Glück stehe ich dazu, dass ich Ungarin bin.“ Nachdem sie den Abschnitt auf Deutsch gelesen hat, möchte Lösch, dass sie dasselbe auf Ungarisch erzählt. Sie weiss zunächst nicht recht wie, aber dann erzählt sie den anderen in der Runde in ungarischer Sprache von ihrem Erlebnis. Den nächsten Abschnitt lässt Lösch alle Männer lesen. Er weist sie darauf hin, dass sie erst sprechen sollen, wenn alle bereit dazu sind. Sie sollen vorher miteinander Blickkontakt aufnehmen. Die nächsten zwei Absätze des Textes werden wieder von zwei einzelnen Männern gelesen. Dann wird ein Satz auch einmal von allen probiert. In schneller Folge lassen Lösch und Freytag die einzelnen Textpassagen mal von einzelnen Stimmen, mal zu zweit, mal von kleineren Gruppen, mal von allen sprechen. Dann kommt wieder eine Stelle, an der eine Weile genauer gearbeitet wird. Der erste Satz lautet: „Ich hab im Kopf den Geruch vom Keller in meiner Kindheit.“ An dieser Stelle beginne ich Notizen, Zäsuren, Pausen und Akzente in die Texte einzutragen. Bernd Freytag arbeitet zunächst mit einer, dann mit zwei, mit drei, mit vier und schliesslich mit allen sieben Frauen an diesem Satz. Danach sprechen auch die Männer dazu und er arbeitet mit allen an diesem und zwei weiteren Sätzen:
„Ich hab im Kopf den Geruch vom Keller in meiner Kindheit. Wenn man an der Kellertüre vorbeiging, da kam eine angenehme Kühle, ein schimmeliger Geruch. Ich habe das so geliebt.“
Bernd Freytag arbeitet nach dem Prinzip Vorsprechen – Nachahmen. Meist steht er auf und arbeitet direkt vor der Gruppe, in der Mitte des Kreises (Volker Lösch bleibt während er mit der Gruppe arbeitet auf seinem Platz sitzen). Er weist Einzelne der Gruppe darauf hin, ihre Füsse nebeneinander auf den Boden zu stellen, damit sie eine aufrechtere Sitzposition haben. Zuerst geht es wieder um die Festlegung von Zäsuren. Er spricht den ersten Gedanken vor und entscheidet, jeweils eine Zäsur nach „Kopf“ und „Keller“ zu setzen. Es handelt sich um weiterführende Zäsuren, der Gedanke ist noch nicht abgeschlossen, die Melodieführung geht nicht in die Lösungstiefe bzw. die Stimme senkt sich nicht ab, sondern wird in der Schwebe gehalten. Er erklärt allerdings nichts, sondern die Choristen ahmen das vorgesprochene Intonationsmuster von Bernd Freytag nach. Es entsteht folgende Sprechweise: //Ich hab im Kopf →| den Geruch vom Keller →| in meiner Kindheit.//
In-Process-Memo
Hier komme ich an den Punkt, das IPA für Mac aufzutreiben, damit ich phonetisch transkribieren kann!!!! im Moment behelfe ich mir mit „eigenen“ Zeichen
|= Zäsur
_= Akzent
.= Gedanke beendet, Stimme geht in Lösungstiefe
↓= fallende Sprechmelodie
↑= steigende Sprechmelodie
→= schwebende Sprechmelodie
:= Verlängerung eines Lautes (Dehnung)
Es braucht einige Wiederholungen, bis es die Choristen schaffen, diesen Satz synchron und mit den vorgegebenen Zäsuren zu sprechen. Es folgen Anweisungen zu Tempo und Lautstärke. Der Satz soll eher langsam und leise gesprochen werden, einfach erzählend. Danach wird der nächste Satz mit einer grösseren Sprechgeschwindigkeit probiert. Bernd Freytag spricht den Satz schnell vor, die Gruppe imitiert es – und scheitert. Das sorgt für Erheiterung. Alle lachen, weil sie die Worte des Satzes nicht so schnell sprechen können, wie es ihnen durch den Chorleiter vorgemacht wird. Sie wiederholen es ein paar Mal, dann gehen sie weiter. Immer wieder weist der Chorleiter einige Männer darauf hin, nicht so laut zu sprechen. Es ist auffällig, dass die Teilnehmenden noch nicht geübt sind, aufeinander zu hören. Gemeinsame Einsätze scheitern immer wieder, weshalb sie Bernd Freytag und Volker Lösch meist mit „Achtung – und“ vorgeben. Der Versuch, die Gruppe stimmlich auf einen Ton zu bringen, erfolgt mit dem Satz: „Ich habe das so geliebt.“ Freytag spricht den Satz mit einer Sprechweise vor, die sich mit Verbundenheit und Nähe an diese Erinnerung beschreiben lässt. Dabei dehnt er das /o:/ in /so:/ und setzt darauf neben dem Wort „geliebt“ einen Akzent. Die Gruppe ahmt es wieder nach.
//Ich habe das so: geliebt.//
Der Satz wird in unterschiedlichen Lautstärkeintensitäten mehrmals von der Gruppe wiederholt, sie versuchen einen gemeinsamen Klang herzustellen und sich stimmlich aneinander anzugleichen. Dann werden die drei Sätze mit den verabredeten Zäsuren, Akzenten und Tempi wiederholt. Immer wieder arbeiten sie an der Synchronität und daran, dass alle die Verabredungen einhalten. Es erfordert von der Gruppe eine hohe Konzentration und Aufmerksamkeit. Bernd Freytag fordert sie dann bereits auf, mehr Konsonantenspannung in Wörtern wie „Kopf“ oder „Kindheit“ zu erzeugen, indem sie die Laute /k/ und /t/ sehr kräftig sprechen. Nach einer Weile übernimmt Volker Lösch die Führung und arbeitet ebenfalls am Satz „Ich hab im Kopf den Geruch vom Keller in meiner Kindheit“. Die verabredeten suprasegmentalen Mittel bleiben erhalten, er versucht mit der Gruppe darüber hinaus eine Haltung für den Satz zu finden. Er fordert die Gruppe auf, sich mit geschlossenen Augen an diesen Geruch zu erinnern, sie sollen diesen Geruch und das damit verbundene wohlige Gefühl imaginieren und aus diesem Bewusstsein heraus den Satz sprechen. Die Gruppe versucht es, einigen fällt es schwer, die Augen beim Sprechen zu schliessen. Sie sind immer wieder zu laut, was Volker Lösch kritisch erwähnt und weshalb er mit ihnen probiert leise, dann sogar flüsternd zu sprechen. Anschliessend werden drei weitere Abschnitte aus dem Text von drei Einzelpersonen gelesen. Im letzten der drei neuen Absätze kommt es erneut zu einer Stelle, an welcher Lösch mit der Gruppe auf folgende Weise arbeitet: Er lässt die Männer mit den Frauen in einen Dialog treten. Im Text steht: „Das ist toll hier, das klappt hier alles, das ist auch eine Qualität, die schaffen das. Da sind die stark, die Schweizer, die schaffen das, pünktlich was abliefern, die schaffen das.“ Der Text wird zwischen Frauen und Männern aufgeteilt, Zäsuren werden festgelegt. Beide Dialogpartner werfen sich ihre Sätze in schneller Folge wie Pingpongbälle hin und her.
Männer: //das ist toll hier.//
Frauen: //das klappt hier alles.//
Männer: //das ist auch eine Qualität.//
Frauen: //die schaffen das.//
Männer: //da sind die stark →| die Schweizer.//
Frauen: //die schaffen das.//
Männer: //pünktlich was abliefern.//
Frauen: //die schaffen das.//
Im nächsten Schritt werden diese Repliken mit einer Steigerung der Haltung, nämlich Freude und damit einhergehend mit einer Steigerung der Lautstärke gesprochen. Daraus ergibt sich im Verlauf des Gedankens ein crescendo. Die letzten zwei sehr kurzen Abschnitte des Textes werden nochmals zunächst von einer Person, dann von der ganzen Gruppe gesprochen. Auch hier werden Zäsuren, Akzente und eine Haltung (geheimnisvoll) vorgegeben.
Nach 1h 20 (um 19.20 Uhr) wird eine zwanzigminütige Pause eingelegt. Im Vorraum stehen Tee, Kaffee, Wasser, Brot, Aufstrich und Obst, wovon sich alle bedienen und etwas zu sich nehmen können. Um 19.40 Uhr geht die Probe weiter.
Nach der Pause wird ein neuer Text (Nr. 3) ausgeteilt. Es handelt sich um einen längeren Text, der in acht Abschnitte gegliedert ist. Volker Lösch bittet einen Mann, den ersten Abschnitt zu lesen, eine Frau, den zweiten Abschnitt zu lesen. Und so geht es weiter, es werden unterschiedliche Leseversuche mit verschiedenen Aufteilungen versucht, die nächsten Abschnitte werden einzeln, zu zweit, zu dritt, in kleineren Gruppen, nur von den Frauen oder Männern oder von allen gelesen. Nachdem in dieser Weise die ersten fünf Abschnitte gemeinsam gelesen wurden und der Text allen Beteiligten damit bekannt gemacht wurde, arbeitet Bernd Freytag am sechsten Absatz mit zunächst zwei Männern, dann mit drei Männern im Wechsel mit der ganzen Gruppe. Er legt Zäsuren fest und arbeitet mit ihnen daran, kräftige Akzente zu setzen. Im Absatz kommt immer wieder das Wort „fremd“ vor, welches sie kräftig artikulieren sollen. Auch hier überfordert er sie wieder mit einem Schnellsprechversuch, damit sie ein Bewusstsein dafür entwickeln, in die Sprache „reinzugreifen“. Den Satz „Ich habe immer auch mit Schweizern diese Diskussion gehabt“. üben sie einige Male sehr schnell zu sprechen, was wiederum für Auflockerung und allgemeine Belustigung sorgt.
Der siebente Absatz wird von dem Autor des Textes gesprochen, also dem Mann, welcher seine Geschichte während des Interviews erzählt hat. Er beschreibt eine Begegnung mit der Polizei in Algerien auf einem Bahnhof. Der Mann hatte damals kurze Haare und das war ausschliesslich dem Militär vorbehalten. „Dann haben sie nach meinem Ausweis gefragt und in welche Kaserne ich gehöre. Dann habe ich geantwortet, dass ich Student sei und auf den Zug warte. Dann hatten sie mir befohlen, aufzustehen und sie auf den Polizeiposten am Bahnhof zu begleiten. Ich dachte, sie würden mich freilassen. Aber sobald ich in diesem Raum war, haben sie zu schlagen begonnen. Danach habe ich mit dieser Freundin den Zug genommen.“ (Frage für mich: darf ich Textstellen aus den Interviews zitieren?)
Zu Beginn liest er den Text, als wäre es ein fremder Text, er hat ihn in Papierform vor sich und es ist nicht klar, wie bewusst es dem Mann ist, dass die Worte des Textes seine eigenen sind. Vor den Worten „haben sie zu schlagen begonnen“ stockt er plötzlich, er hält inne, äussert dann den Gedanken, spürbar emotional bewegt und liest weiter. Die Erinnerung an diese konkrete Situation wurde mit der Brutalität des damals von ihm Erlebten in ihm geweckt. Auf mich wirkte es fast so, als ob er sich in dem Moment, in welchem er diese Worte liest, ohne sie bereits zu sprechen, vor seinem eigenen Text erschrickt. Es fällt ihm danach schwerer zu lesen, was er versucht zu verstecken, weil es ihm vermutlich unangenehm ist. Hier wird für mich die Tiefe des Themas sehr spürbar und die Hoffnung geweckt, dass auch einzelne Geschichten persönlich hörbar werden. Nachdem er den Abschnitt beendet hat, fragt Volker Lösch in die Runde, wie es ihnen mit dem Text geht. Eine Frau antwortet: „Gut“, eine andere Frau antwortet: „Der Text ist berührend.“ Danach wird weitergelesen. Den letzten, achten Absatz des Textes liest Volker Lösch vor.
Am Ende der Probe wird ein weiterer Text (Nr. 4) zuerst von Bernd Freytag, danach von Volker Lösch, wie oben bereits erwähnt, vorgelesen. Die morgige Chorprobe vom Samstag, 11.1.2014, wird abgesagt, da das Regieteam an der Textfassung für den „Chor der Migranten“ weiterarbeiten muss und dafür Zeit benötigt. Die nächste Chorprobe findet am Montag, 13.1.2014, um 18.00 Uhr auf derselben Probebühne statt. Ich werde erst am Dienstag wieder dazustossen. Ab Mittwoch, 15.1.2014, werden die Proben im Schauspielhaus stattfinden. Der Dramaturg fragt die Gruppe am Ende, ob es noch Fragen gibt, woraufhin nach der voraussichtlichen Dauer des Stückes gefragt wird. Volker Lösch antwortet, dass die Aufführung ca. 1h 55 dauern wird, der Chor am Ende des Stückes seinen ca. dreissigminütigen Auftritt haben wird. Die Probe endet um 20.40 Uhr.
In-Process-Memo
Eine Anmerkung noch zu Freytags und Löschs Arbeitsmethode mit dem Chor. Diese lässt sich im Gegensatz zur demokratischen Methode als autoritäre Erarbeitungsmethode bezeichnen. Sie basiert auf der Imitation eines Vorbildes und ermöglicht ein schnelleres Einstudieren eines Textes. Im Moment suchen Lösch und Freytag nach Gestaltungs-, Aufteilungs- und Sprechmöglichkeiten für das generierte Textmaterial. Verschiedene Konstellationen werden probiert, auch getestet, was überhaupt sowohl quantitativ als auch qualitativ mit der Laiengruppe schaffbar und realisierbar ist. Alle Einfälle zu Gestaltungsversuchen, die ausschliesslich von ihnen kommen, entstehen im Moment, im Augenblick auf der Probe.
















