Thema
TdZ+Was sich nicht zeigt
Überlegungen zu einem Theater des Unheimlichen
von Joseph Pearson und Hannah von Sass
Assoziationen: Dossier: Horror, das Unheimliche auf der Bühne
Erschienen am 17.5.2026

In Dorothee Elmigers prämierten Roman „Die Holländerinnen“ (2025) berichtet eine Autorin davon, wie es ihr gerade nicht gelingt, das Verschwinden zweier Frauen für ein Theaterprojekt zu erfassen. Sie hat es, so erzählt sie, „unzureichend und unbeholfen als das ‚erratische, grundlose Wesen der Welt‘, als ‚großen leeren Gott‘, das ‚klartiefe, abyssische Nichts‘ zu beschreiben versucht, aber der Horror, der Horror liege naturgemäß außerhalb der Sprache, ja er sei, wenn man so wolle, ihr Gegenteil, ihr Ende, und sie müsse deshalb auch jetzt, in diesem Moment, noch einmal scheitern, wenn sie ihn zu formulieren, zu benennen versuche, könne ihn nur umkreisen wie ein schwarzes Loch, einen reißenden Strudel“.
Folgt man Elmiger, die so wortgewandt vom nicht Erzählbaren erzählt, steht es wohl schlecht um die Möglichkeiten des Theaters, Horror und das Unheimliche darzustellen. Unheimlichkeit als Effekt von Theater scheint tatsächlich eher selten zu gelingen – aber warum eigentlich? Das Unheimliche erlebt in anderen Kunstformen nämlich ein deutliches Revival, etwa in Film, Serie, Literatur, Gaming – man denke nur an die Zunahme von Filmproduktionen im sogenannten Elevated Horror oder die Kinoerfolge des Body Horror, Serien wie „Stranger Things“ oder die (kritische) Wiederentdeckung von H. P. Lovecrafts Werken.
Im Theater hingegen fallen einem nur nach...
Erschienen am 17.5.2026


















