Gibt es, nach Ihren jüngsten Erfahrungen, einen »Aufschwung Ost« in den Theatern der neuen Bundesländer?
Everding: Es gab zunächst einen ungeheuren Abschwung, das war verständlich, wir haben das nach der Währungsreform auch erlebt. Die Leute hatten andere Interessen, wollten lieber reisen, lang entbehrte Dinge kaufen. Und natürlich war das Theater auch nicht mehr so interessant wie früher, vor der Wende, als es die letzte Nische der Freiheit war. Ich höre jetzt, und das überrascht mich, daß das Sprechtheater, wo es neue Ansätze macht, wieder angenommen wird – die Oper hat es da sehr viel schwerer. Eine andere, positive Überraschung für mich ist, daß die Amüsierwelle nicht über die neuen Bundesländer gekommen ist; ich hatte befürchtet, daß das Amüsement-Theater ungeheuer frequentiert werden würde, aus Nachholbedarf, aus Hunger nach Vermißtem. Das ist - als Trend - nicht eingetreten. Also – die Frage direkt zu beantworten: ich sehe einen leisen Aufschwung.
Gibt es eine spürbare Solidarität in den Theatern der alten Bundesländer?
Everding: Ja - obwohl man ja im allgemeinen nicht von einer großen Solidarität sprechen kann. Als Präsident des Deutschen Bühnenvereins habe ich sehr viele Begegnungen zwischen den Theaterleuten in Ost und West organisiert, zwischen Intendanten, Verwaltungsdirektoren usw. Das ist vo...