Report
Recherche als Aufführung
Was Dokumentartheater heute sein kann – Beobachtungen zur Reihe „Theater & Journalismus“ am Schauspiel Köln
Assoziationen: Nordrhein-Westfalen Stephan Kimmig Calle Fuhr Volkstheater Wien Berliner Ensemble Schauspiel Köln

Investigative Recherchen erscheinen heute meist als digitale Ereignisse: als Podcast-Serie, Leak oder Datensatz, der sich über soziale Medien verbreitet. Doch was geschieht, wenn solche Recherchen den Bildschirm verlassen und auf eine Bühne treten? Mit der Reihe „Theater & Journalismus“ erproben die investigative Plattform CORRECTIV und das Schauspiel Köln – unter dem neuen Intendanten Kay Voges – in einer auf fünf Jahre angelegten Kooperation genau diese Verschiebung. Innerhalb des Labors widmen sich sechs Produktionen unterschiedlicher Regisseur:innen journalistischen Themen, von rechtsextremen Netzwerken über Terrorprozesse und Fragen militärischer Aufrüstung bis zu internationalen Finanzskandalen; und nehmen außerdem auch kommunale Infrastruktur, Stadtplanung und regionale Politik in den Blick.
Die Kooperation reagiert damit auf eine Diagnose, die derzeit viele Mediendebatten prägt: Journalismus steht unter Druck. Im beschleunigten Nachrichtenstrom digitaler Plattformen verlieren komplexe Zusammenhänge schnell an Aufmerksamkeit; investigative Enthüllungen verschwinden oft aus der Timeline, bevor sie gesellschaftliche Wirkung entfalten können. Gleichzeitig müssen journalistische Recherchen immer schneller produziert werden, was den Druck auf Redaktionen und einzelne Journalist:innen enorm erhöht. Das Theater erscheint hier als Gegenmodell zur Logik permanenter Aktualisierung: Es verspricht konzentrierte Zeit, geteilte Aufmerksamkeit und die Möglichkeit, komplexe Zusammenhänge gemeinsam zu durchdenken – und „Theater als Form des öffentlichen Diskurses“ zu erleben, wie es der Kölner Hausregisseur...



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