Ausblick
Erschienen in: Digitale Reihe: Informierte Unbestimmtheit – Zur Robotik im Theater (06/2026)
Originaltitel in der Printausgabe: IV.3 – Ausblick
Als ich im Rahmen dieser Forschungsarbeit weitere Vorstellungen von Uncanny Valley besuchte, stellte ich fest, dass ich die Maschine in einzelnen Augenblicken durchaus als ein Gegenüber wahrnahm. Ich konnte mit Melle2 mitfühlen, wenngleich er im nächsten Moment wieder verschwunden sein konnte, sodass ich die technologische Konstellation zu Gesicht bekam.1 Anstatt mich auf die defizitäre Erscheinung des anthropomorphen Bühnenwesens zu konzentrieren, hatte ich mich ihm gegenüber geöffnet. Ob ein Roboter über seinen (sozialen) Werkzeugstatus hinausgeht, hängt demnach stark von der eigenen Sicht auf die Dinge ab; je nachdem, wie ein Roboter wahrgenommen und bedient wird. Indem ich mich Melle2 gegenüber öffnete und auf das Spiel sowie die Tatsache, dass die Figuration signifikant andersartig war, einließ, konnte ich mich von der Figuration affizieren und (zeitweise) eine emotionale Bindung entstehen lassen. Das konnte allerdings nur gelingen, wenn all die ko‑operierenden, mehr-als-menschlichen Wirkmächte unsichtbar wurden.2
Trotzdem scheint es (wie sich im Hinblick auf die Telenoide von Ishiguro gezeigt hat) so zu sein, dass (intime) Beziehungen mit Robotern eher entstehen, wenn anthropomorphe Merkmale reduziert werden. Dagegen lösen Androiden (wie Melle2) ein Unbehagen aus, wenn sie die an ihre äußere Erscheinung geknüpften Erwartungen nicht erfüllen. In Anbetracht dieser Tatsache gehe...
















