Theater der Zeit

Anzeige

Digitale Reihe

Informierte Unbestimmtheit

Zur Robotik im Theater

321 Druckseiten, 18 Beiträge, Ausgabe kaufen

Assoziationen: Dossier: Digitales Theater Marcel J. V. Kieslich

teilen:

Präludium

von Marcel J. V. Kieslich

Eigentlich begann alles im Theater. Während meiner Zeit als Regieassistent an der Schaubühne am Lehniner Platz in Berlin war ich mit der Aufgabe betraut, im Anschluss an jede Vorstellung einen Bericht zu erstellen. In diesen Vorstellungsberichten sprach ich unter anderem von Energien und Atmosphären, um die besondere Stimmung einer Aufführung einzufangen. Diese Begriffe sind in der künstlerischen Praxis gängige Platzhalter, um Phänomene zu beschreiben, die sich meist unterhalb unserer bewussten Wahrnehmungsschwelle abspielen. Mit der Zeit fragte ich mich jedoch, was es genau bedeutet, wenn eine Aufführung energetisch war oder eine Atmosphäre ergreifend. Um diesen Fragen weiter nachzugehen, wählte ich den akademischen Weg. Dieser führte mich schließlich an die Universität Wien. Im Rahmen eines Masterstudiums am Institut für Theater-, Film- und …

I. Einleibung

  • TdZ+ Pro

    I. Einleibung

    Schwarz. Langsam erhellen Scheinwerfer die Bühne. Umrisse einer menschlichen Gestalt sind zu sehen. Die Person sitzt auf einem Sessel. Auf dem kleinen Beistelltisch vor ihr befindet sich ein verkabelter Laptop …

  • Anzeige

  • TdZ+ Pro

    I.2 – Forschungsfragen

    Die technisch-ästhetische Definition von Robotern offenbart eine Grundproblematik der (szenischen) Robotik: Zum einen handelt es sich um informierte Wesen, die inszeniert, gestaltet und (algorithmisch) bestimmt werden. Gleichzeitig sind es Figurationen, …

  • TdZ+ Pro

    I.3 – Methoden

    Ein Anspruch meiner Forschung ist die gleichwertige Verstrickung verschiedener Dimensionen, um so auf methodologischer Ebene transdisziplinäre Zugänge zu schaffen und Verschränkungen zu unterstreichen. Neben einer wissenschaftlichen Perspektive, die ethnografisch anmutet, …

II. In Relation mit Technik

  • Abb. 1: Diese Grafik veranschaulicht, dass mit zunehmender Ähnlichkeit die Affinität gegenüber künstlichen Figurationen steigt, aber an einem gewissen Punkt in Aversion (das unheimliche Tal) umschlägt, bevor mit weiter zunehmender Ähnlichkeit wieder angenehme Gefühle geweckt werden.
    TdZ+ Pro

    II. In Relation mit Technik

    Um Europa nicht nur gedanklich zu verlassen, reiste ich für mehrere Wochen nach Japan, wo ich unter anderem dem Robotiker ISHIGURO Hiroshi sowie einigen seiner Roboter begegnete. Weltweit bekannt wurde …

  • TdZ+ Pro

    II.1 – Traditionell: shibai

    Die Ausführungen zu Ishiguro haben gezeigt, dass Robotiker:innen gelegentlich Verbindungen zu japanischen Theatertraditionen ziehen, um Phänomene, die mit neuen Technologien einhergehen, beschreiben, einordnen und diskutieren zu können. Ebenso findet MORI …

  • TdZ+ Pro

    II.2 – Zeitgenössisch: engeki

    In den beiden folgenden Vignetten geht es um zwei zeitgenössische Theaterformen, die sich ebenfalls mit der Inszenierung von Artefakten befassen. Mit Blick auf die szenische Robotik steht hier sowohl das …

  • TdZ+ Pro

    II.3 – Konklusion

    Aus den vorherigen Relationsanalysen haben sich diverse Relationsmodi ergeben, die aufzeigen, wie japanische Künstler:innen in Relation mit Technik treten. Bei der Analyse von szenischen Konstellationen aus dem japanischen Kulturraum, in …

III. Technik in Relation

  • Abb. 3: Die Installation Spiel! war im Rahmen der Spot On MozART EXPO vom 13.10.22 bis zum 14.10.22 an der Universität Mozarteum Salzburg zu sehen. Darüber hinaus wurde diese Arbeit bis zum 16.10.22 im Barockmuseum präsentiert, um Erkenntnisse für die vorliegende Arbeit und ein post-anthropozentrisches Theater zu gewinnen.
    TdZ+ Pro

    III. Technik in Relation

    Während wir uns tagtäglich in technologischen Konstellationen bewegen und sie mitgestalten, bieten die Künste eine Möglichkeit, diese sinnlich zu erforschen und mehr‑als‑zwischenmenschliche Beziehungen zu erproben. Dieses Potenzial künstlerischen Schaffens machte …

  • Diese Simulation zeigt den Aufbau von Spiel! im Barockmuseum. Die sichtbaren Elemente waren der Manipulator sowie der relevante Klaviatur-Bereich. Es wurden in Rhino letztlich nur die Tasten abgebildet, welche vom KR5 theoretisch bespielt werden konnten.
    TdZ+ Pro

    III.1 – Theoriegeleitet: Spiel!

    Frühjahr 2021 Zunächst musste geklärt werden, mit welcher Art von Robotern die Ko‑Operation stattfinden sollte und konnte. Eine selbst auferlegte Prämisse war es, die Inszenierung von anthropomorphen Maschinen, so wie …

  • Diese Momentaufnahme zeigt mich (an den Industrieroboter gekettet) während eines Umschlags im Rahmen der Slow Performance Göpel am 18.09.22.
    TdZ+ Pro

    III.2 – Praxisorientiert: Göpel

    komm, wir gehen. du, wie du gehst, und ich, wie ich gehe. lass uns gehen, weit weg von hier. einen weg finden. gemeinschaften bilden. bilder malen – against the business …

  • TdZ+ Pro

    III.3 – Konklusion

    [11:01] M. macht einen erschöpften Eindruck / langsame, schwerfällige Schritte [11:04] M. wirkt müde, streicht sich übers Gesicht mit einer Hand, stützt Kinn auf eine Hand / Blick nach wie …

IV. Ausleibung

  • Abb. 12
    TdZ+ Pro

    IV. Ausleibung

    Im letzten Teil dieser Arbeit werden Praktiken aufgedeckt, die einen angemessenen Umgang mit Robotern und ihren paradoxen Konstitutionsbedingungen, ergo informierter Unbestimmtheit darstellen. In der Einleibung habe ich erläutert, dass sich …

  • TdZ+ Pro

    IV.1 – Operationen

    Die folgenden Praktiken betreffen Aspekte, die von Künstler:innen informiert werden können. Jedoch geht es hierbei weniger darum, Roboter als „Handlungsobjekte“1 zu verstehen, sondern mit Blick auf ihre Bestimmbarkeit einen Umgang …

  • TdZ+ Pro

    IV.2 – Ko-Operationen

    Nachdem nun potenzielle Operationen für das Robo-thea-ter vorgestellt wurden, also wie sich Roboter bestimmen lassen, geht es in diesem Kapitel um den Umgang mit ihrer Unbestimmbarkeit. Hier wird die zweite …

  • TdZ+ Pro

    IV.3 – Ausblick

    Als ich im Rahmen dieser Forschungsarbeit weitere Vorstellungen von Uncanny Valley besuchte, stellte ich fest, dass ich die Maschine in einzelnen Augenblicken durchaus als ein Gegenüber wahrnahm. Ich konnte mit …

  • TdZ+ Pro

    Quellenverzeichnis

    Literatur: Adachi, Barbara C. (1978): The Voices and Hands of Bunraku. Tokyo/New York/San Francisco: Kodansha International. Badura, Jens/Dubach, Selma/Haarmann, Anke/Mersch, Dieter/Rey, Anton/Schenker, Christoph/Toro Pérez, Germán (Hg.) (22015): Künstlerische Forschung. Ein …

Anzeige