Was wäre, wenn Elena Gremina und Michail Ugarov den Niedergang des Teatr.doc hätten miterleben müssen? Wenn Enthusiasmus, Kräfte und Geld nicht mehr ausgereicht hätten, nachdem ihr Theater zum dritten Mal aus seinem Gebäude verjagt worden wäre, und sie zum vierten Mal an einem neuen Ort in Moskau einen Neuanfang hätten wagen müssen? Beobachtet man die politische und gesellschaftliche Realität in Russland, wird eines deutlich: Es wird keine wirkungsvollen Orte für freies Geistesleben mehr geben dürfen. Aber was ist ein Theater ohne freies Geistesleben?
Ich bin froh, dass Elena Gremina und Michail Ugarov dies nicht mehr erleben werden. Ich habe beide die letzten Jahre sehr wenig gesehen und gesprochen. Nachdem ich 2014 angefangen hatte, in der Ukraine Theater zu machen, habe ich Russland nicht mehr besucht. Ich habe seitdem Elena Gremina je einmal in Berlin und in Kiew getroffen. Es war die Zeit, in der die Repressionen gegen das Theater bereits in vollem Gange waren und es zweimal aus seinen Gebäuden verjagt worden war. Elena Gremina war bei diesen Treffen sehr kämpferisch. Sie sei zu einem Mitarbeiter des FSB zitiert worden, der ihr vorwarf, dass das Teatr.doc volksfeindliches Theater mache. Sie habe ihn zum Teufel gejagt. „Ich, eine Großmutter (Babuschka), als...