1. Beschleunigung und Eigenzeit
Erschienen in: Recherchen 177: Die Leiblichkeit der Texte (04/2026)
Lebensbedingungen heutiger Sprechausbildung
Was Sprechpädagogik an Schauspielschulen zu leisten hat, entscheidet sich, so könnte man sagen, jeden Tag vor Ort: im Unterricht, bei der Begleitung szenischer Arbeiten und von Schauspielprojekten. Allein aus diesen schulinternen Arbeitsprozessen heraus ergeben sich ständige Anregungen für das weitere Vorgehen.
Zusätzlich wird im Folgenden versucht, skizzenhaft die Berufswirklichkeit künftiger Darstellerinnen und Darsteller und die dort wirksame gesellschaftliche Dynamik mit einzubeziehen. So sollte es möglich sein, gewissermaßen von innen und von außen zu ermitteln, auf welche gesellschaftlichen Entwicklungen die Sprecherziehung heute reagieren muss, ob neue Schwerpunkte zu setzen sind, welche Fähigkeiten besonders zu entwickeln sind.
Hohes Lesetempo, verkürzte Regeneration
Dem Thema Beschleunigung, welches uns das gesamte Kapitel über beschäftigen wird, werden wir uns von Beobachtungen aus nähern, die jeder Sprechpädagoge täglich im Unterricht machen kann, die aber erst unter einem übergreifenden Gesichtspunkt den Charakter von Symptomen annehmen.
Die Aufforderung, einen neuen Text laut zu lesen, setzt in der Regel alle Studierenden erst einmal unter Druck, ganz unabhängig von der literarischen Vorbildung. Es wird meistens sehr rasch gelesen, quasi in einer Flucht durch den Text. Oft wissen die Leserinnen und Leser nach der ersten Lektüre auch nur schwer wiederzugeben, was im Text stand. »Ich habe dafür gesorgt,...
















