5.8. Atemsäule
Erschienen in: Recherchen 177: Die Leiblichkeit der Texte (04/2026)
Was die Atemsäule für uns bedeutet, merken wir, wenn sie uns fehlt. Wer seinen Atem und seine Stimme über längere Zeit hin durch Training entwickelt hat, bekommt ein differenziertes Empfinden dafür, in welchem Ausmaß das eigene System ansprechbar für Töne und Sprache ist. Nach Perioden ohne Training (Überlastung, Krankheit, aber auch Ferienzeiten) oder nach ausgedehnter Bildschirmarbeit lässt sich die Erfahrung machen, dass die Sprechlust oder die Sangeslust deutlich minimiert sind. Oder das Bedürfnis ist vorhanden, aber das eigene Instrument ist schwergängig geworden – vergleichbar einem schlecht aufgepumpten Fahrrad. Die vorher selbstverständliche Leiberfahrung, dass ein energetisches Potenzial zwischen Beckenboden und Kopfregion existiert, welches nicht nur während des Sprechens oder Singens Sprache und Töne tragen kann, sondern – bereits vor stimmlicher Beanspruchung – die Bereitschaft in sich trägt, von Tönen und Worten berührt zu werden, kann schwinden.52 Sie ist zu stärken, indem Atem- und Stimmübungen in sinnvoller Vielfalt wieder aufgenommen werden. Im Folgenden werden darüber hinaus zwei Übungen vorgestellt, die es erlauben, direkt an der Atemsäule zu arbeiten.
Der Begriff ist meines Wissens keiner spezifischen Atemschule zuzuordnen. Ich begegnete ihm im Synchronstudio, als Hinweis auf die Notwendigkeit größerer sprecherischer Flexibilität: »Auf der Atemsäule sprechen!«
Der Begriff der Atemsäule appelliert damit an...
















