5.7. Atemduktus
Erschienen in: Recherchen 177: Die Leiblichkeit der Texte (04/2026)
»Duktuswechsel«, d. h. ein Wechsel in der Atemführung, organisiert einen Text in ähnlicher Weise, wie sich in einem figürlichen Gemälde – über Vordergrund und Hintergrund – eine dritte Dimension einstellt. Was im Hintergrund steht, muss dabei keineswegs unwichtiger sein, doch es bietet sich dem Blick übersichtlicher an.
Der mit schmalem Atemduktus vorgebrachte, also zügiger gesprochene Sinnschritt präsentiert sich als leichter überschaubar, als leichter verständlich (negierte Äußerungen wie »auf keinen Fall« oder »da mache ich nicht mit« bieten sich oft für den schmalen Duktus an!), während uns der »breite« Atemduktus zum aufmerksameren Hinschauen und Hinhören einlädt.
Im Ergebnis wirkt ein »breiter« Sprechduktus gegenüber einem schmalen langsam, und selbstverständlich umgekehrt; das ist klar. Aber anstatt einfach nur von langsam und zügig zu sprechen, ist es sachdienlicher, nach »breitem« und »schmalem« Atemduktus zu differenzieren. Denn hiermit das Medium benannt, in dem sich die Änderung vollziehen sollte: eben der Atem.
Am Bild eines wasserführenden Kanals lässt sich der Zusammenhang von breit und langsam einerseits, schmal und zügig andererseits, gut veranschaulichen: Wir lassen eine gleichbleibende Wassermenge (das Medium!) durch einen Kanal fließen. Verbreitern wir den Kanal, wird das Wasser langsamer strömen; machen wir ihn schmaler, wird sich die Fließgeschwindigkeit des Wassers erhöhen.
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