Gera: »Die Erschaffung der Welt«
Aus TdZ 5/1979
Erschienen in: Die andere Seite – Tanz in der DDR von 1975 bis 1997 (04/2026)
Siebenmal kündigte der Geraer März-Spielplan einen Ballettabend an – welches Ballettensemble wäre nicht froh über eine Repertoire-Position solchen Gewichts. Kontinuität und Attraktivität der Arbeit bilden für diese Stellung der Geraer Truppe die Basis. Entsprechend verlief auch die Premiere »Die Erschaffung der Welt«: Volles Haus, mit Beifall nicht sparendes Publikum.
Inge Berg-Peters und Manfred Patzschke richteten eine vereinfachte, die Fabel klar wiedergebende Hausfassung ein, mit genügend Raum für Witz und Poesie. Gott schwebt auf einer Wolke hernieder auf eine zunächst grau gärende Bühnen-Ebene. Sie lichtet sich zu neutraler Leere: das Paradies auf Erden kann geschaffen werden. Die Engelchen pflanzen Blumen, die Erzengel malen den Himmel, Gott schafft die Sonne, der Teufel schmeißt die Mondsichel ans Firmament. Aus seinem Schöpfertrog holt Gott die Tiere, zuletzt die Schlange, die der Teufel zu sich lockt und aus der das Teufels-Weib schlüpft. Aus Gottes Eben-/Spiegel-Bild schält sich überraschend Adam. Später erhält er Eva nach einer aufwendigen chirurgischen Prozedur.
Zwar betonen die Autoren der Geraer Fassung den Widerspruch zwischen Himmel und Hölle – in der Aufführung bleibt der Teufel mehr ein verschmitzt lächelnder Schalk, der nur die göttlichen Aktionen mit allerlei Schabernack stört. Die eigentlichen Gegenspieler sind Teufelspaar und Menschenpaar – Gott und...
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