Theater der Zeit

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Tanz in der DDR von 1975 bis 1997

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Dietmar Fritzsche, Volkmar Draeger und der Grafiker Olaf Rammelt bei einer ­ Redaktionssitzung während des X. Ballettwettbewerbs der DDR, März 1987, im Landestheater Dessau. Foto Archiv Volkmar Draeger
Dietmar Fritzsche, Volkmar Draeger und der Grafiker Olaf Rammelt bei einer ­ Redaktionssitzung während des X. Ballettwettbewerbs der DDR, März 1987, im Landestheater Dessau.Foto: Archiv Volkmar Draeger

Der Blick auf die »andere Seite«

von Frank-Manuel Peter

Das deutsche Sprichwort »Nichts ist so alt wie die Zeitung von gestern« hat durch die rasante Entwicklung neuer und neuester Medien eine besonders tragische Steigerung erhalten: Quasi im Minutentakt veralten die Berichte der digitalen Medien. Und trotz der im Vergleich zu den Printmedien beinahe unbegrenzten Umfangsmöglichkeiten beschränken sich die digitalen Veröffentlichungen zu aktuellen Ereignissen meist auf kürzere Meldungen. Wenig später kann man diese oft schon nicht mehr nachlesen: »404 – Page Not Found«. Geschichte, in diesem Fall Kultur- und namentlich die Tanzgeschichte geht verloren, wenn man nicht gegen das langsame oder schnelle Verschwinden ihrer offensichtlich immer spärlicher werdenden Zeugnisse anarbeitet. Erst dann können die Berichte der Zeitzeugen auch später nachgelesen werden. Und – das gilt insbesondere für die Papierausgaben der …

  • TdZ+ Pro

    Kürzel der Zeitschriften und Zeitungen

    TdZ: Theater der Zeit; 1946 bis März 1992 Zeitschrift, Henschelverlag Kunst und Gesellschaft, Mai 1993 erste Neuausgabe, zweimonatlich, seit Anfang 2000 wieder monatlich, Verlag Theater der Zeit UK: Unterhaltungskunst – …

  • TdZ+ Pro

    Tanzensemble der DDR: »Mario und der Zauberer«

    Aus TdZ 8/1975

    Dietmar Fritzsche bespricht das Kurzballett Mario und der Zauberer im Programm »Frühlingsfeuer« des Tanzensembles der DDR. Gritta Krätkes Choreographie zu Siegfried Matthus’ Musik setzt den antifaschistischen Grundgedanken der Novelle beklemmend um.

    Durch Überlagerungen von Aufnahmen und verfremdende Instrumentaleffekte erzielt Matthus eine außerordentlich »sprechende« Musikaussage, die an sein Kurzballett »Match« anknüpft und die musikalisch-szenische Ausdrucksvielfalt, die Geräuscheffekte einbeschlossen, noch erweitert.

    Dietmar Fritzsche

    von Dietmar Fritzsche

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    Mecklenburgisches Staatstheater Schwerin: »Der Dreispitz«/»Der Feuervogel«

    Aus TdZ 7/1978

    Dietmar Fritzsche beschreibt, wie Lothar Hanff und Eva Reinthaller in ihrer Feuervogel -Choreographie, angeregt von Béjart, das Märchen zur personifizierten Revolutionsidee wandeln. Mit Ausdruckstanz und klassischen Elementen überzeugt das Schweriner Ballett, ebenso in Rudolphs humorvollem Dreispitz.

    Aus dem Feuervogel, dem schillernden, zwiespältigen Märchenwesen, wird die personifizierte Idee der Revolution. Der Kampf zwischen dem Guten und dem Bösen, abstrakt demonstriert, ist auf die Ebene eines gesellschaftlichen Prozesses gehoben. Die Kostüme mit ihren Khaki-Blusons erinnern an gegenwärtige revolutionäre Auseinandersetzungen beispielsweise in Südamerika.

    Dietmar Fritzsche

    von Dietmar Fritzsche

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    Staatsoper Dresden: »Ballett im Zwinger«

    Aus TdZ 8/1978

    Dietmar Fritzsche rezensiert »Ballett im Zwinger« im Rahmen der 1. Dresdner Musikfestspiele: vier Choreographien zwischen klassischer Anmut und Alltagsheiterkeit, darunter Fokins Chopiniana und drei Werke von Harald Wandtke.

    Als Meister bewies sich Wandtke in seinem Kurzballett »Risiko« zu Musik des Berliner Flötisten und Komponisten Matthias Schmidt. In dieser gewitzt humorvollen Choreographie werden Herzensprobleme Jugendlicher tänzerisch dargestellt.

    Dietmar Fritzsche

    von Dietmar Fritzsche

  • TdZ+ Pro

    Bühnen der Stadt Nordhausen: »Apollo und Daphne«/»Die Erschaffung der Welt«

    Aus TdZ 9/1978

    Volkmar Draeger bespricht zwei Ballettabende in Nordhausen: Leo Spies’ Apollo und Daphne litt an schwacher, technisch unzureichender Choreographie (Günther Smigay); Milhauds Die Erschaffung der Welt gelang technisch etwas besser, doch Jazz-Elemente und klassische Choreographie divergierten.

    Es wurde allzuoft nur mit den Armen getanzt, Endposen blieben unfixiert, Grand-jeté-Sprünge gerieten petit oder wurden zu bloßen Gängen, die Landung aus dem Sprung erfolgte häufig schwer und gelegentlich nicht exakt in der Richtung.

    Volkmar Draeger

    von Volkmar Draeger

  • TdZ+ Pro

    Stunde des Tanzes I

    Aus TdZ 12/1978

    Dietmar Fritzsche berichtet über die erste »Stunde des Tanzes« in Berlin, mit großem Publikumsandrang. Solisten mehrerer Ensembles wirkten mit; der Solidaritätsabend zeigte klassische, folkloristische und neue Choreographien, u. a. von Arila Siegert, sowie Hannelore Beys Rückkehr nach Krankheitspause.

    Eine lange Publikumsschlange vor der Volksbühnen-Kasse noch kurz vor Beginn der ersten »Stunde des Tanzes«: die neue Veranstaltungsreihe in Berlin kann mit großer Resonanz rechnen!

    Dietmar Fritzsche

    von Dietmar Fritzsche

  • TdZ+ Pro

    Erfurt: »Geschichte vom tapferen Schneiderlein«

    Aus TdZ 3/1979

    Dietmar Fritzsche bespricht Siegfried Tiefensees Kinderballett Geschichte vom tapferen Schneiderlein nach Norbert Solgas Libretto in Erfurt.

    Solch lächerlich blöder Trottel von König wirkt dermaßen macht- und kraftlos, daß man sich fragt, wieso ihn das Volk nicht vom Thron gejagt hat. Auf diese Weise wurde zu einseitig an die Parteinahme der Kinder gegen den König und zu wenig an die Vermittlung eines realen Geschichtsbildes gedacht.

    Dietmar Fritzsche

    von Dietmar Fritzsche

  • TdZ+ Pro

    Neustrelitz: »Bernarda Albas Haus«

    Aus TdZ 4/1979

    Volkmar Draeger lobt die Neustrelitzer Ballettadaption von Lorcas Bernarda Albas Haus: Choreograph Fritz Dallmann fange mit knappen Mitteln die innere Dramatik zwischen Mutter und Töchtern ein.

    Die Choreographie lebt weniger von Soli und artistischen Bravouren als von Konstellationen, Hierarchien. Sie will Beziehungen sichtbar machen zwischen Menschen, die dazu verdammt sind, miteinander zu leben, still, aber unbarmherzig gelenkt von einem tyrannischen Einzelwillen.

    Volkmar Draeger

    von Volkmar Draeger

  • TdZ+ Pro

    Halberstadt: »Die Schöne und das Tier«

    Aus TdZ 4/1979

    Dietmar Fritzsche bespricht die DDR-Erstaufführung von Emil Hlobils Ballett Die Schöne und das Tier am Volkstheater Halberstadt.

    Für den die Premiere miterlebenden Komponisten Emil Hlobil war die Aufführung ein erfolgreicher Start seines Balletts in unserem Lande, für das Halberstädter Ballettensemble ein Schritt nach vorn in seiner künstlerischen Entwicklung.

    Dietmar Fritzsche

    von Dietmar Fritzsche

  • TdZ+ Pro

    Gera: »Die Erschaffung der Welt«

    Aus TdZ 5/1979

    Siebenmal kündigte der Geraer März-Spielplan einen Ballettabend an – welches Ballettensemble wäre nicht froh über eine Repertoire-Position solchen Gewichts. Kontinuität und Attraktivität der Arbeit bilden für diese Stellung der Geraer Truppe die Basis. Entsprechend verlief auch die Premiere Die Erschaffung der Welt.

    von Dietmar Fritzsche

  • TdZ+ Pro

    Riskantes Unterfangen? Ballett in Radebeul, Altenburg, Zwickau

    Aus TdZ 7/1979

    Volkmar Draeger vergleicht drei Ballettabende: In Radebeul überzeugt Günter Buchs komödiantische »La Fille mal gardée«, während Altenburgs »Aschenbrödel« und Zwickaus »Coppelia« an schwacher Choreographie und technischen Defiziten scheitern.

    Abendfüllende Ballette an kleinen und mittleren Bühnen sind noch immer ein riskantes Unterfangen. Gute Ansätze hier und dort können nicht darüber hinwegtäuschen, daß es oft an Kraft, Kondition und technischer Reife fehlt, an Choreographen, die ihre Tänzer optimal einsetzen, und an guten Trainingsmeistern.

    Volkmar Draeger

    von Volkmar Draeger

  • TdZ+ Pro

    Tom Schilling im Gespräch

    Aus TdZ 8/1979

    Tom Schilling erläutert im Gespräch mit Dietmar Fritzsche seine Choreographie-Prinzipien: Gegenwartsbezug, Wahrhaftigkeit nach Felsensteins Vorbild, Repertoiregestaltung zwischen Erbe und Neuschöpfung sowie die Ausbildung des choreographischen Nachwuchses.

    Dort, wo ein Stück mit künstlerischer Wahrhaftigkeit aufgeführt wird, findet es auch Anklang beim Publikum. Nichtssagende Aufführungen bleiben ohne Eindruck. Unsere Absicht muß es sein, nachwirkend auf das Publikum einzuwirken.

    Tom Schilling

    von Dietmar Fritzsche und Tom Schilling

  • TdZ+ Pro

    Anziehende Gegensätze. Komische Oper Berlin: »Pastorale«/»Gajaneh-Suite«

    Aus TdZ 12/1979

    Tom Schillings lyrische Beethoven-Choreographie leidet im Ballettabend »Pastorale«/»Gajaneh-Suite« der Komischen Oper Berlin unter mangelnder Präzision, während Tschitschinadses temperamentvolle »Gajaneh-Suite« organische Kongruenz zwischen Tänzern und Orchester zeigt.

    Auffällt bereits, daß der Choreograph das Wesen der Musik erlauscht (vielleicht auch eingedenk Beethovens »mehr Ausdruck der Empfindungen als Malerei«) und mehr Beachtung den größeren Perioden schenkt als motivischen Details. So entsteht eine zur musikalischen Komposition adäquate choreographische Form.

    Dietmar Fritzsche

    von Dietmar Fritzsche

  • TdZ+ Pro

    Von den Anfängen des Balletts in der DDR

    Aus TdZ 12/1979

    Eine schriftlich fixierte »Geschichte der Tanzkunst und des Balletts in der DDR« existiert 1979 noch nicht. Deshalb war eine Veranstaltung der Sektion Bühnentanz des Verbands der Theaterschaffenden als Vorarbeit für ein solches Buch gedacht. Choreographen und Pädagogen (leider keine Tänzer) der »Ersten Stunde« teilten Erinnerungen über ihr Schaffen in den Jahren 1945 bis 1955 mit.

    von Dietmar Fritzsche

  • TdZ+ Pro

    Staatsoper Dresden: »Wandlungen«

    Aus TdZ 1/1980

    Dietmar Fritzsche bespricht den dreiteiligen Ballettabend »Wandlungen« der Staatsoper Dresden: Harald Wandtkes Choreographien zu Dessaus »Bach-Variationen« und Strawinskys »Orpheus« sowie die erste DDR-Inszenierung von Kurt Jooss’ »Der grüne Tisch«.

    Seit der Uraufführung 1932 erlebte [Der grüne Tisch] über 4000 Aufführungen – es gibt kaum einen bezwingenderen tänzerischen Appell gegen Krieg. Davon zeugte auch diese Aufführung.

    Dietmar Fritzsche

    von Dietmar Fritzsche

  • TdZ+ Pro

    Gera: »Schneewittchen«

    Aus TdZ 2/1980

    Volkmar Draeger bespricht Griesbachs Schneewittchen in Gera. Inge Berg-Peters’ Choreographie erzähle klar und kindgerecht, besonders die Zwerge sorgten für Komik.

    Hochgestochene Dramatik, musikalisch angestrebt in der Glassarg-Szene, wird durch den stolpernden Zwerg choreographisch gebrochen und zurückgeführt auf ein von Kindern rezipierbares Niveau: heiter, unterhaltend, flüssig erzählend.

    Volkmar Draeger

    von Volkmar Draeger

  • TdZ+ Pro

    Heiteres und Nachdenkliches. Kammertanz der Komischen Oper

    Aus TdZ 2/1980

    Dietmar Fritzsche bespricht den Kammertanzabend Kontraste der Komischen Oper mit sechs Choreographien – u. a. Schillings Abendliche Tänze, Šmoks Amerikanisches Quartett, Bunsters politisches Werk sowie Rudolphs witziges eins plus eins – und lobt musikalische Sensibilität und tänzerischen Humor.

    Manuela Bachmann und Bernd Ladig tanzten, pantomimisch aufgelockert, mit clownesker Drastik und herzhaftem Witz ein lustiges Duo über allerhand komische Situationen im Zusammenleben junger (Liebes-)Leute.

    Dietmar Fritzsche

    von Dietmar Fritzsche

  • TdZ+ Pro

    Staatsoper Berlin: Choreographenwerkstatt

    Aus TdZ 4/1980

    Dietmar Fritzsche berichtet von der Choreographenwerkstatt der Staatsoper Berlin, in der Hermann Rudolph und Dietmar Seyffert sieben neue Kurzballette vorstellten – von psychologischen Studien wie Die Tänzerin und Dunkle Serenade bis zu parodistischen Solos wie Übungen aus dem Hut.

    Ein Hut wird in verschiedenartigste Formen gebogen und gezerrt; sein Träger führt mit den Hutvarianten unterschiedlichste, groteske Haltungs-Persiflagen vor – vom Cowboy bis zur Grande Madame. Gawlik tanzte brillant und voller Humor diese sketchartigen Charakter-Verwandlungen.

    Dietmar Fritzsche

    von Dietmar Fritzsche

  • TdZ+ Pro

    Gegen Teufel und Kanonen »Der Puppenspieler« in Magdeburg

    Aus TdZ 5/1980

    Dietmar Fritzsche bespricht die Uraufführung des Balletts Der Puppenspieler in Magdeburg, Koproduktion mit Prag. Er lobt Choreografie, Musik und Puppen-Metamorphose, kritisiert aber die undeutliche Bewältigung der Liebesbeziehung Vaclav/Dorotka.

    Selbst die Schlichtheit der Fabel läßt das Anliegen des Stücks noch klar erkennen: zu warnen vor Bösem, ein Herz zu haben für Schönes, für das Leben Erhaltendes.

    Dietmar Fritzsche

    von Dietmar Fritzsche

  • TdZ+ Pro

    Landestheater Altenburg: »Ischtar«

    Aus TdZ 7/1980

    Volkmar Draeger bespricht die dritte DDR-Inszenierung von Ischtar in Altenburg.

    So ist die Choreographie, trotz interessanter Passagen, nicht kraftvoll, vital, bildhaft genug, gerät manchmal in die Nähe des Trivialen.

    Volkmar Draeger

    von Volkmar Draeger

  • TdZ+ Pro

    Greifswald: »Der Teufel im Dorf«

    Aus TdZ 8/1980

    Volkmar Draeger würdigt, dass Greifswald nach 20 Jahren wieder ein abendfüllendes Ballett zeigt: Der Teufel im Dorf zu Fran Lhotkas Musik, choreographiert von Margit Nicolaus und Frank Männel. Trotz kleinem Ensemble gelingt eine sehenswerte, folkloristisch getönte Aufführung.

    Choreographischer Höhepunkt ist der Pas de deux Mirkos mit der Teufelswirtin, der sich zum schwierigsten, furiosesten und auch gestalterisch überzeugendsten des Abends steigert.

    Volkmar Draeger

    von Volkmar Draeger

  • TdZ+ Pro

    Brandenburg : »Viktorka«/»Komödiantensuite«

    Aus TdZ 12/1980

    Volkmar Draeger bespricht die 80er Tanzpremiere des Potsdamer Balletts: Viktorka zeigt trotz Schwächen in Sladečeks Choreographie starke Momente, »Komödiantensuite« überzeugt als heiteres, wenn auch dramaturgisch unklares Handlungsballett mit gelungenen Bühnenbildern von Ilse-Maria Feltz.

    Optimistisch und optisch sehr gelungen der Schluß: Sonnenstrahlen überziehen das vom Blitz erschlagene Mädchen.

    Volkmar Draeger

    von Volkmar Draeger

  • TdZ+ Pro

    Magdeburg: »Nestinarka«

    Aus TdZ 3/1981

    Volkmar Draeger bespricht die DDR-Erstaufführung von Goleminows Tanzdrama Nestinarka in Magdeburg. Pawlina Iwanowas Choreographie verbindet bulgarische Folklore mit Klassik und Ausdruckstanz – eindringliche Bilder, besonders die Klatschweiber-Szenen-

    Wenn sie die als lebendes Bild verharrende Gruppe umschleichen und auseinanderreißen, um flüsternd Unfrieden zu säen, ahnt man den Ausgang. Als die psychisch zermalmte Demna die zum Kreis formierte Gruppe überragt, gekreuzigt von der Verleumdung, und die triumphierenden Klatschbasen einen Reihentanz vollführen, gewinnt scheinbar das Absurd-Ungerechte beklemmend die Oberhand.

    Volkmar Draeger

    von Volkmar Draeger

  • TdZ+ Pro

    Fantasie-Liebe. »Münchhausen« in Weimar

    Aus TdZ 3/1981

    Dietmar Fritzsche bespricht die Uraufführung von Kunad/Kirschs Münchhausen am Weimarer Nationaltheater. Er würdigt Russus’ einfallsreiche Regie, kritisiert aber die kurzgliedrige Musik und zu wenig Tanz gegenüber Pantomime und Akrobatik im Verhältnis zur Werkbezeichnung Ballett.

    War es Konstantin Russus Lust zum komödiantischen Spaß oder sein Bemühen um szenisch erfülltes Auskosten der Musik, jedenfalls dominierte der Regisseur Russu über den Choreographen Russu.

    Dietmar Fritzsche

    von Dietmar Fritzsche

  • TdZ+ Pro

    Gefragte Vielseitigkeit. Einiges über »unser« Fernsehballett

    Aus UK 4/1981

    Im Interview beschreibt Günter Jätzlau, Leiter des Fernsehballetts der DDR, Anforderungen fernsehspezifischer Choreographie, Programme, Arbeitsbedingungen, Ausbildung der Tänzer sowie Erfolge, Vorhaben und Entwicklungswünsche des Ensembles.

    Wir brauchen dringend einen zweiten Ballettsaal für die Arbeit an getrennten Produktionen. Außerdem wünschten wir uns mehr Exkursionsmöglichkeiten für unsere drei Choreographen. Durch Überbeschäftigung ist die Gefahr vorzeitigen Verschleißes groß jeder muß sich mal »auftanken« können.

    Günter Jätzlau

    von Volkmar Draeger

  • TdZ+ Pro

    Dresden: »Der Dompteur«

    Aus TdZ 8/1981

    Dietmar Fritzsche stellt drei neue Choreographien des Dresdner Staatsopernballetts vor, darunter die Uraufführung Der Dompteur (Musik Günther Fischer, Choreographie Emöke Pöstényi). Er lobt sie als Pöstényis bisher reifste Arbeit, die Thomas Manns Novelle als allgemeingültige Abstraktion deutet.

    Die Faszination des Werkes entspringt teils der naturgetreu wirkenden Andeutung einer Gittermanege mit verschieden hohen Podesten für die attraktive »Fell«-Trikots tragenden Tiere. Vor allem besitzt der ungewöhnliche tänzerische Duktus großen Reiz.

    Dietmar Fritzsche

    von Dietmar Fritzsche

  • TdZ+ Pro

    Dresden: »Der Dompteur«

    Aus UK 3/82

    Dietmar Fritzsche bespricht das Ballett Der Dompteur an der Dresdner Staatsoper, choreografiert von Emöke Pöstényi. Er lobt die packende Geschichte um Dompteur und Löwen, die Darsteller sowie Günther Fischers Musik, die Zirkus- und Jazzelemente vereint.

    Der Löwe jedoch ist durch ihren Mut aktiviert worden. In Rückbesinnung auf seine Kraft und angewidert von dessen Verhalten bringt er den Dompteur um symbolisch fallen die Seile zu Boden. Nach einem Freudentanz kehren die wohldressierten Tiere stumpfsinnig auf ihre Plätze zurück und wenden sich ab, als der Löwe sie zur Befreiung aufrufen will. Allein muß er seinen Weg gehen, in seiner Aktivität ebenso einsam wie die Löwin in ihrer Passivität.

    Dietmar Fritzsche

    von Dietmar Fritzsche

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    Wiederbelebte Ballettkomödie

    Aus TdZ 9/1981

    Dietmar Fritzsche bespricht Tom Schillings Neuinszenierung von Don Parasol an der Komischen Oper Berlin. Bernd Köllingers Bearbeitung des Taglioni-Balletts (Musik: Delibes statt Hertel) überzeugt heiter, wenn auch mit gesparten Pointen. Besonders Hans-Dieter Scheibel und Jürgen Hohmann glänzen darstellerisch.

    Auf weißer Courtine ein riesiger Jugendstil-Kelch, zwischen dessen »Adern« federgeschmückte Häupter hervorlugen. Sylvia will an allem vorbeihuschen, stolpert aber und setzt sich. Mit einem Wedel fegt sie allen den Staub vom Antlitz, was bei der »Statue« einen Niesreiz auslöst und das Spiel in Gang bringt.

    Dietmar Fritzsche

    von Dietmar Fritzsche

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    Arbeitskreis Tanz

    Aus UK 9/81

    Volkmar Draeger berichtet über die siebte Werkstatt für freischaffende Tanzsolisten in Neubrandenburg.

    Was im Februar 1977 als umstrittenes Experiment begann, trägt mittlerweile den Charakter eines im Kursangebot vielseitigen Lehrgangs mit Tradition, an dem teilzunehmen für die relativ wenigen Tanzsolisten der DDR ebenso notwendig wie nützlich sein dürfte.

    Volkmar Draeger

    von Volkmar Draeger

  • TdZ+ Pro

    Zwei ungleiche Töchter

    Aus TdZ 10/1981

    Volkmar Draeger vergleicht zwei Inszenierungen von Die schlecht behütete Tochter: Harald Dietz-Laursonns anspruchslose Dessauer Version wirkt steif und unlogisch, während Günter Buchs Choreographie in Karl-Marx-Stadt mit folkloristischer, tänzerischer Komik klarere Figuren und einen stimmigeren Handlungsablauf erreicht.

    Buch setzt die Akzente richtiger, umreißt die Figuren, ihre Beziehungen und Situationen klarer und schärfer als in der Dessauer Aufführung und erzielt einen logischen, stets interessierenden Handlungsablauf.

    Volkmar Draeger

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  • TdZ+ Pro

    Ballett für Kinder. »Das bucklige Pferdchen« in Weimar

    Aus TdZ 2/1982

    Volkmar Draeger bespricht die DDR-Erstaufführung von Rodion Schtschedrins Kinderballett Das bucklige Pferdchen in Weimar. Ruth Wolf straffte das Werk und schuf eine zügige Choreographie.

    Bei einem Kontrollgang stellt der Vater fest, daß sein Weizenfeld verwüstet wurde, wovon er daheim entsetzt seinen drei Söhnen berichtet. Die beiden älteren, zwei Saufaus und Tunichtgute, versprechen prahlerisch, dem Täter nächtens aufzulauern und ihn zu stellen. Ihren jüngeren Bruder, »dummer Iwan« genannt, nehmen sie nicht mit.

    Volkmar Draeger

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  • TdZ+ Pro

    Gruppe junger Tänzer »Jean Weidt«

    Aus TdZ 2/1982

    Dietmar Fritzsche würdigt Jean Weidts Verdienste um tanzbegeisterte Jugendliche. 1959 gründete Weidt die »Gruppe junger Tänzer«, die seit 1966 an der Komischen Oper Berlin wirkt. Sie erhielt nun den Ehrennamen ihres Gründers.

    Bisher wirkte Jean Weidt in 16 Ballett- und 15 Opern-, Operetten- und Musicalinszenierungen der Komischen Oper – in über 2000 Vorstellungen – mit.

    Dietmar Fritzsche

    von Dietmar Fritzsche

  • TdZ+ Pro

    Über zwei Neu-Erschaffungen. »Die Erschaffung der Welt« in Halle und in Plauen

    Aus TdZ 3/1982

    Volkmar Draeger vergleicht zwei Inszenierungen von Petrows Die Erschaffung der Welt: Helmut Neumanns geraffte, Effel-nahe Hallenser Fassung und Renate Tietzes werktreue, aber einfallsreiche Plauener Version. Draeger hält die Hallesche Fassung für schlüssiger und aus einem Guss.

    Lausbubenhaft stülpt sie dem silbrigen Mond eine schwarze Mütze über und kreiert in Ergänzung des göttlichen Werkes die verdunkelte Hemisphäre des Erdsatelliten; augenzwinkernd tanzt sie im Engelshemdchen einen betont langweiligen »englischen« Reigen mit, heimlich knuffend und mit dem Schwanz um sich schlagend, und gewinnt schnell Sympathie.

    Volkmar Draeger

    von Volkmar Draeger

  • TdZ+ Pro

    Schöpferischer Spaß mit bunten Würfeln

    Aus N-Z, 3.3.1982

    Volkmar Draeger bespricht »Tanz aus der Kiste«, ein Ballettprogramm der Komischen Oper mit der Staatlichen Ballettschule Berlin. Aus Würfeln entstehen spielerisch Szenen wie Dornröschen, Zebra-Dompteuse und schließlich »Peter und der Wolf« – choreographiert von Hanne Wandtke, kindgemäß und einfallsreich.

    Die szenisch-choreographische Umsetzung ist dicht, abwechslungsreich und läßt schmunzeln. Sie kommt ohne aufgesetzte Kindlichkeit aus und gibt den Interpreten Gelegenheit, außer Akrobatik viel Tanz zu demonstrieren.

    Volkmar Draeger

    von Volkmar Draeger

  • TdZ+ Pro

    Zwickau: »Die Nachtigall«

    Aus TdZ 4/1982

    Volkmar Draeger rezensiert die Zwickauer Inszenierung von Die Nachtigall nach Andersen. Horst Jentschs Choreographie für ein kleines Ensemble bleibt oberflächlich, die Erzählerfigur dopple das Tanzgeschehen.

    Die stark pantomimische Choreographie ist weitgehend vordergründig-oberflächlich, technisch substanzarm und dringt selten zu persiflierender Komik vor. So wirken Haushofmeister, Doktor und besonders die beiden Räte als Typen gequält, in ihrer stupiden Mimik und Gestik ermüdend. Zu wenig tritt der Narr als eine der Hauptfiguren in Erscheinung. Choreographisch blaß bleibt der prinzenhaft posierende Kaiser.

    Volkmar Draeger

    von Volkmar Draeger

  • TdZ+ Pro

    Stärken und Grenzen. Premieren in Schwerin und Görlitz.

    Aus TdZ 5/1982

    Volkmar Draeger über gleich zwei Premieren: In Schwerin überzeugt Wandtkes Die Fontäne von Bachtschissarai durch psychologische Tiefe und Assafjews Musik. In Görlitz zeigt Fritsches Das tapfere Schneiderlein trotz Ensemble-Grenzen heiter-gefällige Ballettpantomime.

    Daß die großen Theater hierzulande die »Fontäne« ignorieren, kann ich nur musikalischen Gründen zuschreiben. Die Musik Boris Assafjews betört mit harmonisch-romantischen Klängen, einprägsamer Melodik und instrumentalen Soli.

    Volkmar Draeger

    von Volkmar Draeger

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