Raumgreifendes Sprechen: Euripides, Die Bakchen (Übers: Oskar Werner)
Mit Sonagrammen
von Helmut Becker
Erschienen am 13.2.2026
![Die beiden Silben des Wortes wurden getrennt analysiert. In der oberen Reihe erscheint in drei Varianten die Silbe [ni:], in der unteren Reihe dreimal die Silbe [dɐ].](/_next/image?url=%2Fapi%2Ffiles%2Fdae31a68-839e-4f92-b909-d7a8ae025ac4%2FSonagram%20Bakchen.png&w=3840&q=75)
Indem er einer Fichte himmelhohen Wipfel fasst,
Beugt nieder, nieder, nieder er sie auf den Grund.
Wie sich ein Bogen krümmt, wie eine Zirkelschnur,
Den Umriss eines Rades schreibend, nimmt den Lauf,
So bog den Bergspross mit den Händen bis zum Grund
Der Fremde, was kein Sterblicher zu tun vermag.[1]
(Zeilen 1064-1069)
An welchem Punkt des Dramas befinden wir uns? – Dionysos kommt nach Theben, fühlt sich von den Bewohnern, die seine Göttlichkeit nicht anerkennen, missachtet. Aus Rache versetzt Dionysos die Frauen Thebens in einen Rausch und zieht mit ihnen in die Wälder des nahen Kithairongebirges. Vom Treiben der »Mainaden« oder »Bakchen« (d. h. der Anhängerinnen des Dionysos) dort gibt es die erschreckendsten Gerüchte: etwa, dass sie junge Zicklein bei lebendigem Leib zerstückeln und verspeisen. Pentheus, der König von Theben, will der Sache auf den Grund gehen, begibt sich mit zwei Begleitern ins Kithairongebirge, eine Tagesreise weit nach Süden. Der eine Begleiter ist der Bote, der nachher vom Unternehmen berichten wird; der andere ist – in verzauberter Gestalt – Dionysos selbst, der den Herrscher ins Verderben führt. Im Waldgebirge angekommen, möchte Pentheus, um die Mainaden besser sehen zu können, unbedingt den Wipfel einer Fichte besteigen, den ihm »der Fremde«,...
Erschienen am 13.2.2026
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