Pia Amofa-Antwi mit Ensemble in Jessica Weisskirchens Inszenierung von „Maria Magda“ am Münchner Volkstheater.Foto: Gabriela Neeb
Los geht’s wie im Popcorn-Kino. Eine geheimnisvolle weibliche Off-Stimme raunt Bedeutungsschweres. „Wer die Geschichte hat, hat die Macht“ zum Beispiel. Ein Satz, der im Laufe der Aufführung wiederholt werden und sich als Kernbotschaft des Abends erweisen wird. Dazu gibt’s anfangs Blockbuster-Sound in Dolby-Surround-Anmutung (irgendwas zwischen Action-Thriller- und Horror-Schocker-Dröhnen) und die Aufforderung, jetzt bitteschön die 3D-Brillen aufzusetzen, die allerdings am Einlass nicht ausgeteilt wurden. Dann Cut und Genrewechsel. Im Zentrum eines begehbaren Kunstrasenrings, halb Catwalk, halb Bannkreis, wie im Auge der Kamera: ein einfaches Bett mit Metallgestell (Bühne: Wanda Traub). Wir blicken in den Schlafsaal einer Erziehungsanstalt. Mädchen in Nachthemden. Aha, ein Internatsdrama also! Maria ist das neue Mädchen, gänzlich unbeleckt, was die Gepflogenheit im Heim angeht. Aber da tritt auch schon Magda auf den Plan, das ungezogene Mädchen, und klärt sie auf. Maria und Magda also. Wie die Muttergottes und die Sünderin an Jesu Seite. Heilige und „Hure“. Es ist dieser biblische Dualismus, den Svenja Viola Bungarten in ihrem 2021 beim Heidelberger Stückemarkt ausgezeichneten Drama schon im Titel zitiert – um ihm dann restlos den Garaus zu machen. Denn die Bibel wurde von Männern geschrieben, so wie im Folgenden auch die Weltgeschichte. Von A bis Z, von Alpha bis Omega:...