Die belgische Compagnie Mossoux-Bonté gehört zu den Ensembles, die mit zahlreichen künstlerischen Produktionen in Erlangen, Fürth oder Nürnberg zu sehen waren. Auf meine Frage an Karl Manfred Fischer, damals Künstlerischer Leiter des Erlanger Festivals, warum er die Compagnie so häufig eingeladen hatte, antwortete er: „Wir finden es wichtig, daß wir Gruppen, von deren Arbeit wir überzeugt sind, immer wieder und über einen längeren Zeitraum Auftrittsmöglichkeiten bieten, um die künstlerischen Auseinandersetzungen, Erprobungen und Prozesse dieser Gruppen mitzutragen und für das Publikum nachvollziehbar zu machen“ (Das andere Theater, 3/1999). Zum Publikum gehörte auch ich und ich entdeckte in den szenischen Arbeiten von Mossoux-Bonté eine Theatersprache, die mich damals wie heute faszinierte. Es wäre vereinfacht, von Bildertheater zu sprechen, wenngleich auf der Bühne großartige Bilder entstanden, angesiedelt im Tanztheater, in dem Théâtre du mouvement, dem Schauspiel, letztlich auch dem Puppentheater. Bilder, die einen ganz originären Blick auf Theater beziehungsweise Welt warfen, die sich jeglicher Kategorisierung verweigerten. Dazu, wo sie selbst ihre Idee von Theater im Kontext des figuren.theater.festivals verorten, schickte ich im Sommer 2022 Fragen an Nicole Mossoux und Patrick Bonté. Sie antworteten per E-Mail.
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„Light“, Cie. Mossoux-Bonté (BEL). 2003Foto: Erich Malter
Dass die Cie Mossoux-Bonté mit ihren Produktionen mehrfach nach Erlangen, Nürnberg und Fürth eingeladen wurde, belegt, dass es eine große künstlerische Nähe zwischen eurem Verständnis von Theater und dem, was sich in den Programmen der Festivals widerspiegelte, geben muss. Tatsächlich definierte und definiert beispielsweise das Erlanger Festival den Begriff Figurentheater breit gefächert, schließt in die Definition sowohl das Puppen-, Objekt- oder Bildertheater, selbst Multimediaprojekte ein. Wie ordnet ihr eure Arbeit in dieses breite Spektrum ein?
Deutsch ist die einzige Sprache, die diese hybriden Formen, denen wir uns zugehörig fühlen, so treffend benennt: Figuren-Theater. Wir haben uns dafür entschieden, unter dem Begriff Theater-Tanz zu firmieren. Wir verorten uns allerdings eher an der Schnittstelle zwischen diesen beiden Darstellenden Künsten – so wie der Bindestrich, mit dem wir sie verbinden. Da der eine von uns vom Theater und die andere vom Tanz kommt, pendeln wir unaufhörlich zwischen zwei künstlerischen Arbeits- und Sichtweisen hin und her und achten darauf, nie das eine dem anderen zu opfern: Die Geste ist die Trägerin des Sinns, der Bedeutung. Selbst wenn diese manchmal dechiffriert werden muss, das Spiel wird immer von einer Form getragen.
Letztlich findet in unseren Inszenierungen eine Kombination unterschiedlicher künstlerischer Ausdrucksformen statt, sind Interferenzen zwischen...
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