Theater als Volkssauna
15 von 43 Jahren Heidelberger Stückemarkt
von Jürgen Popig
Erschienen in: Live und in HD – Intendanz Holger Schultze 2011–2026 (04/2026)

Der finnische Theaterautor und Regisseur Kristian Smeds bezeichnet das Theater als Volkssauna: »Der Ofen steht mitten auf der Bühne. Es wird so lange Dampf gemacht, bis alle in Schweiß ausbrechen.« Smeds sieht Theater als ein Forum kollektiver und aktueller Auseinandersetzung. Mir gefällt dieses Bild von der Sauna gut, und es fällt mir als erstes ein, wenn ich an den Heidelberger Stückemarkt denke.
Nicht bloß, weil Finnland ein denkwürdiges Gastland des Festivals gewesen ist. Nein, auch bei der Eröffnungspremiere des Stückemarkts und bei manchem Gastspiel ist der Zuschauerraum derart überfüllt, dass man sich buchstäblich wie in einer Sauna vorkommt. Überhaupt das Wetter! Jedes Jahr die bange Frage: Kann die Festivaleröffnung im Freien stattfinden, oder gehen wir sicherheitshalber in den Saal? Der Heidelberger Stückemarkt findet vom letzten Wochenende im April bis zum ersten Wochenende im Mai statt. Es gab Stückemärkte im kalten Dauerregen und solche mit mediterranen Temperaturen – was nicht zuletzt dem neu etablierten Festivalzentrum auf dem Theaterplatz zugutekommt.
Gegründet wurde der Heidelberger Stückemarkt 1984 vom damaligen Intendanten Peter Stoltzenberg als Gastspielfestival zur Förderung deutschsprachiger Gegenwartsautor*innen. Gastspiele großer deutschsprachiger Theaterhäuser wurden unter einem jährlich wechselnden Thema nach Heidelberg eingeladen. Jede Intendanz seitdem hat das Festival konzeptionell erweitert. Volkmar Clauß (Intendant 1996–2000)...

.jpeg&w=3840&q=75)















