2.3. Lesen: Der fiktive Verkehr mit den Gegenständen
Erschienen in: Recherchen 177: Die Leiblichkeit der Texte (04/2026)
2.3.1. Das Stellen dummer Fragen: Didaktische Perspektiven
Studierende haben, verständlicherweise, Angst davor, im Unterricht »dumme Fragen« zu stellen. Dozierende freuen sich in der Regel über jede studentische Frage, weil sie auf eine Eigenaktivität der Studierenden weist, auf den Impuls des Ich-will-Verstehen. Ganz viele Arbeitsbegriffe des Faches Sprechen, wie Grundspannung, Artikulationsspannung, Eindruck/Ausdruck, Vorstellung, unterliegen im Bewusstsein der Studierenden hartnäckigen Vormeinungen. Grundspannung wird als muskuläre Kontraktion verstanden, Artikulationsspannung als absichtsvoll vollzogene Überartikulation, Eindruck als ein Impuls, der zu einer Innenschau veranlasst, Ausdruck als emotionale Emphase, Vorstellungsbildung als Ablaufenlassen eines inneren Films. Erfahrungsgemäß sind solche Vormeinungen nur zu verwandeln, wenn sie den Studierenden selber fragwürdig geworden sind, und diese selber, aufgrund eigener Erfahrungen, neue Begriffe bilden konnten. Dabei gilt: Entwicklungsprozesse lassen sich verbal vielleicht initiieren, aber nicht beschleunigen. Die folgende Unterrichtssituation schildert einen solchen Moment des Fragwürdig-Werdens, und die gemeinsame Bemühung von Student und Dozent, die Gunst der Stunde zu nutzen. Es geht um den Moment des »ersten Angebotes«, bei dem die Studierenden sich einem neuen Text in Eigenregie angenähert haben, das Ergebnis ihrer Arbeit vorstellen, und um die Reaktion des Dozierenden auf dieses Angebot. Dies ist in pädagogischer Hinsicht ein sensibler Moment. Es gilt, die Eigenarbeit zu würdigen, in...
















