2.4. Beziehung zum Raum I: Kinästhese und Appräsentation
Erschienen in: Recherchen 177: Die Leiblichkeit der Texte (04/2026)
Unterrichtssituation III: Mit der Stimme die Königsloge erreichen
Dritter Ausbildungsmonat für den ersten Jahrgang. Wegen der Corona-Pandemie haben die Unterrichtsstunden in den ersten beiden Monaten digital stattgefunden. Dabei fällt auf, dass die Mikrofone und Lautsprecher in den gängigen Notebooks heutzutage so empfindlich sind, dass man auch online sehr wohl nuanciert wahrnehmen und korrigieren kann. Die Raumwirkung der Stimme kann auf diese Weise allerdings nicht erprobt werden.
Umso erfreulicher ist nach zwei Monaten die Nachricht, dass wieder Live-Unterricht erlaubt ist. Aus Abstandsgründen sollen die ersten Stunden allerdings im großen Haus des Prinzregententheaters stattfinden. – Über 1000 Plätze! Und dazu noch eine Musiktheaterbühne. Kein Raum fürs Sprechtheater: Die Akustik »streut«, um einen musikalischen Gesamtklang zu erzeugen. Eine Herausforderung für die Studierenden!
Erste Einzelstunde: Studentin und Dozent wärmen sich auf der Vorderbühne auf. Beide stehen dabei zunächst quer zum Saal, wenden sich noch nicht dem Zuschauerraum zu. Ausgeführt werden einfache Übungen für die Tragfähigkeit der Stimme; der Abstand zwischen Dozent und Studentin wird dabei fortwährend vergrößert.
Dann setzt sich der Dozent in den Zuschauerraum, auf halber Höhe. Die Studentin greift zum Buch, spricht Textausschnitte aus dem Arbeitstext, wendet sich an den im Zuschauerraum sitzenden Dozenten: schwache Wirkung! Wenig Stimme, wenig Verständnis.
Wechsel des...
















