Burghart Klaußner, Sie sind gerade mit dem Film „Der Staat gegen Fritz Bauer“ unterwegs quer durch die Republik und bereiten außerdem für das Staatsschauspiel Dresden Ferdinand von Schirachs „Terror“ vor. Sie werden inszenieren und den Richter spielen. Was interessiert Sie an dem Stück, das in Form eines Gerichtsverfahrens eine terroristische Flugzeugentführung verhandelt?
Ich wollte schon immer eine Gerichtsverhandlung im Theater machen – und eine katholische Messe übrigens dazu. Auf eine bestimmte Weise ist das ein Relaunch von Theater, reduziert auf die Ursprünge. Das führt zurück auf den Thing, auf den Areopag, den lebendigen Staatsgerichtshof, auf die öffentliche Sache. Das ist wie ein Reset von Theater auf den kleinstmöglichen Nenner – das gefällt mir und interessiert mich. „Terror“ hat was Dokumentarisches, obwohl es den darin verhandelten Fall – entführtes Flugzeug wird abgeschossen, damit es nicht in ein Münchner Fußballstadion crasht – Gott sei Dank nicht gegeben hat. Die Gerichtsverhandlung zum Abschussverantwortlichen ist natürlich thesenhaft, holzschnittartig. Aber mich interessiert die republikanische Sache, wenn sich Leute gemeinsam öffentlich den Kopf zerbrechen. Ich bin politischen Dingen seit je nah gewesen. Inzwischen kenne ich einige der Handelnden und registriere auf der einen Seite Leute, die Demokratie als Schnarchladen betrachten, auf der anderen diejenigen, die immense...