Einleibung
Erschienen in: Digitale Reihe: Informierte Unbestimmtheit – Zur Robotik im Theater (06/2026)
Originaltitel in der Printausgabe: I. Einleibung
Schwarz. Langsam erhellen Scheinwerfer die Bühne. Umrisse einer menschlichen Gestalt sind zu sehen. Die Person sitzt auf einem Sessel. Auf dem kleinen Beistelltisch vor ihr befindet sich ein verkabelter Laptop und ein Wasserglas; links davon eine Projektionsfläche. Das Licht wird heller. Die Person bewegt langsam ihren Kopf. Es sind eigenartige Bewegungen. Für einen Augenblick bleibt es still. Dann beginnt der Vortrag und aus den Lautsprechern erklingen Stimmlaute:
Mmm… äh… hm… ja… ähm… ähm… Herzlich… (räuspern) Herzlich willkommen! Ich freue mich, dass Sie hier zusammengekommen sind, zu meinem Vortrag über das Problem der Unstetigkeit und wie ich es nenne, die Überwindung des uncanny valley, des unheimlichen Tals. Ich werde dieses Thema anhand von zwei Biografien erörtern, derjenigen des Informatikers Alan Turing und meiner eigenen.1
Es ist die aufgezeichnete Stimme des Schriftstellers Thomas Melle, jedoch wird der Autor an diesem Abend kein einziges Mal erscheinen. Anstelle seiner ist auf der Bühne ein anthropomorpher Roboter installiert. Über die gesamte Dauer des Vortrags verlässt er kein einziges Mal den Sessel. Melle2, wie ich den Roboter im Folgenden nenne, um ihn von Melle zu unterscheiden, kann sich nicht fortbewegen; beweglich sind allenfalls ein paar seiner Gelenke: außer dem Gesicht...
















