Bevor ich Melle2 das erste Mal begegnet war, kannte ich Roboter hauptsächlich aus Fabriken; außerhalb dieser waren sie mir allenfalls als rasenmähende oder staubsaugende Alltagshilfen über den Weg gelaufen. Doch das Feld der Industrierobotik wird hier lediglich am Rande thematisiert. Der Fokus liegt auf den szenischen Künsten; andere Kulturbereiche (wie Literatur und Film) werden nur gestreift, da es sich in diesen Fällen meist um fiktive Roboter handelt, deren Darstellungen (tendenziös) ein dramatisches Bild von sich verselbstständigenden Maschinenwesen zeichnen, aber mit der Realität oft wenig gemein haben.1 Für eine kulturwissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Phänomen Roboter ist es geboten, etwaige Narrative kritisch zu beleuchten, um zu vermeiden, dass Fiktionen für bare Münze genommen werden. In diesem Zusammenhang entstehen Missverständnisse meist aufgrund verborgener algorithmischer Steuerungsprozesse, weshalb digitale Technologien gelegentlich als Blackboxes bezeichnet werden.2 Wenngleich es so wirkt, als wären Roboter von einer unsichtbaren Hand gesteuert, ist dennoch stets davon auszugehen, dass sie von Menschen inszeniert wurden.
Roboter sind inszenierte Maschinen. Sie werden hergestellt und gestaltet – zu welchen Zwecken auch immer –, weshalb sie grundsätzlich Artefakte sind, die von Menschen in Szene gesetzt werden.3 Roboter sind inszenierte Artefakte. Der Sozialwissenschaftler Andreas Bischof forschte über mehrere Jahre...