Ist das ein Stück? Diese Frage steht alle Jahre wieder im Fokus der Mülheimer Theatertage, im Rahmen derer in jedem Frühjahr der renommierte Dramatikpreis verliehen wird. Das war so, als erstmals Christoph Marthaler mit einer seiner Kreationen eingeladen wurde, oder auch bei einem Rechercheprojekt von Rimini Protokoll. „Ist das nachspielbar?“, lautete die zentrale Frage. Denn ein richtiges Stück muss einen Wert an sich haben und auch ohne die Uraufführungsinszenierung etwas darstellen.
Beim Blick auf die Auswahl für die „Stücke 2026“ stellt sich diese Frage wieder. „2x241 Titel doppelt so gut wie Martin Kippenberger“ heißt das Werk. Das Kollektiv Frankfurter Hauptschule – eine ehrfurchtsvolle Verballhornung der Neuen Frankfurter Schule, die wiederum die Frankfurter Schule persiflierte – hat sich von einem Buch und einem Bild des Allroundkünstlers Martin Kippenberger anregen lassen. Das Stück besteht ausschließlich aus durchnummerierten Titeln mit nichts dahinter. So wie Quentin Tarantino und Robert Rodriguez weiland Trailer für Filme drehten, die es nicht gab. Die Frankfurter Hauptschule reiht einen Wortwitz an den anderen, von „Selbstmord, ein Versuch“ über „Alles über Deutschland, Deutschland“ bis „2x241 Titel doppelt so gut wie Martin Kippenberger“. Oh, zum letzten Titel gibt’s ja doch ein Stück. Nämlich die Titelsammlung davor. Aber ist das wirklich eins?...