Frau Hoess, erinnern Sie sich an Ihre erste Begegnung mit Robert Wilson?
Die erste Arbeit von Bob Wilson habe ich bereits 1976 auf einem Festival in München gesehen, eine Performance von ihm und Christopher Knowles, der ja bis heute für ihn die Texte schreibt. Persönlich begegnet bin ich ihm erst, als ich für die Rolle der Frau Peachum in der „Dreigroschenoper“ am Berliner Ensemble vorgesprochen habe – oder genauer gesagt: vorgesungen, mit der „Ballade von der sexuellen Hörigkeit“. Ich war wahnsinnig aufgeregt. Wilson hat das natürlich gemerkt – und aus Silberpapier eine kleine Kugel geformt, die er vor mich auf den Tisch legte. Diesen Punkt sollte ich ansingen. Das hat sofort etwas bewirkt. Der Körper bekommt eine Spannung, der Blick fokussiert sich – und auf einmal habe ich das Lied ganz anders empfunden. Wilson hat gar nicht erklärt, was er vorhat, er hat es einfach gemacht. So ist die Arbeit mit ihm immer gewesen: voller Überraschungen.
Wie haben Sie die Proben mit ihm erlebt?
Zunächst mal hat Wilson eine besondere Fähigkeit, Konzentration zu schaffen. Er beginnt die Proben oft damit, dass alle zusammen für eine Minute schweigen. Jede und jeder um ihn herum kommt dadurch zur Ruhe, bis so etwas...