Angeregt von zeitgenössischer Musik. Kammertanzabend der Deutschen Staatsoper im Schauspielhaus
Aus TdZ 3/1985
Erschienen in: Die andere Seite – Tanz in der DDR von 1975 bis 1997 (04/2026)
Die Kooperationspartner Deutsche Staatsoper/Schauspielhaus Berlin hatten für den »Kammertanzabend« mit Staatsoperntänzern vier Choreographen verschiedenartiger Handschriften verpflichtet: Hermann Rudolph (Karl-Marx-Stadt); Emöke Pöstényi (Ballett des Fernsehens der DDR); Stefan Lux (Staatliche Ballettschule Berlin); Susanna Borchers (Absolventin der Choreographenausbildung an der Leipziger Theaterhochschule »Hans Otto«, Lehrbeauftragte für modernen Tanz an der Palucca Schule).
Borchers/Lux ließen sich von Gedichten, Pöstényi/Rudolph vom gedanklichen Hintergrund der gewählten Kompositionen anregen, jeder entwarf ein kurzes Handlungsballett. Daß sie Musik von profilierten Komponisten unseres Landes bzw. von Schostakowitsch verwendeten, spricht für ihr Anliegen, zu Fragen unserer Zeit Stellung zu nehmen. Und es läßt auf sich weiter verbessernde Arbeitsbeziehungen zwischen Choreographen und Komponisten hoffen.
Auf die Sätze I und III der »Sinfonia come un grande lamento« (»Dem Andenken F. García Lorcas gewidmet«) von Udo Zimmermann choreographierte Pöstényi »Ein Augenblick der Freiheit«. Wie die Musik Spannung aus den Gegensätzen laut/leise, dissonant/zarte Harmonie, scharfe Akzente/melodische Innigkeit bezieht, konfrontiert die Handlung mit dem Kontrast Todesfurcht – Lebenshoffnung. Ein zum Tode Verurteilter entkommt dem Galgen, erlebt Liebesglück mit seiner Frau, hängt dann tot in der Schlinge.
Wer ist der Mann? Weshalb wird er hingerichtet? Umreißt die Vision seiner Frau die ganze Tragik seines Schicksals, die Bedeutung seines Handelns? Choreographisch sind...















