Die neuen Leiden des alten Don Q.»Don Quixote« dreigeteilt in Leipzig
Aus TdZ 3/1985
von Volkmar Draeger
Erschienen in: Die andere Seite – Tanz in der DDR von 1975 bis 1997 (04/2026)
Petipas »Don Quixote« mit der Musik von Ludwig Minkus erlebte 1869 im Moskauer Bolschoi seine Uraufführung und wurde 1902 von Alexander Gorski überarbeitet. Den festlichen Schlußakt dieser noch heute in der Sowjetunion getanzten Fassung für unsere Republik erstaufgeführt zu haben, schlägt dem Leipziger Opernballett rühmlich zu Buche.
Das Werk bedient das Schaubedürfnis des Publikums. Weil dieses Divertissement einer Handlung entbehrt, ist es nur noch als Apotheose klassisch-akademischen Tanzes, seiner Technik und der Qualität ihrer Ausführung zu rezipieren. Damit steht es im Leipziger Opernballett noch nicht zum besten.
Schließlich: die Uraufführung. Auf der technizistisch nüchternen, werkhallenartig weiträumigen Bühne steht ein Mann. Ein wendiger Tänzer tritt hinzu, verkleidet sich als Sancho Pansa und legt dem anderen Quixotes Attribut, die Ritterrüstung, an. Fünf »Abenteuer« hat der »Neue Don Quixote«, so der Titel, zu bestehen, assistiert vom redlichen Pansa. Als erstes geraten beide in einen Ballettsaal. Dort setzt ein eitler, seelenloser Ballerino im ledernen Ringerdress und bewaffnet mit einer Peitsche das Training in Gang. Alles läuft stupid maschinell ab, bei Ermüdung wirkt die Knute Wunder. Die Tänzer arbeiten gleich willfährigen Werkzeugen in kleinen Gruppen Artistik, zwei Damen hängen mit je einem Bein an den beiden Enden einer festen Rolle und ziehen...
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