Strawinsky in ThüringenPremieren in Gera und Weimar
Aus TdZ 8/1989
Erschienen in: Die andere Seite – Tanz in der DDR von 1975 bis 1997 (04/2026)
In der vergangenen Saison gab es mehrere Strawinsky-Ballettpremieren: Neustrelitz und Gera brachten »Pulcinella«, die Berliner Staatsoper »Apollon« und »Capriccio« (in der Balanchine-Choreographie), Gera noch »Sacre«, Weimar die DDR-Erstaufführung der »Hochzeit« (»Les Noces«). Wenn gerade in Thüringen Strawinsky auf Interesse stößt, dürfte das historische Ereignis seines Weimar-Besuches anläßlich der Aufführung seiner »Geschichte vom Soldaten« im Rahmen der Bauhauswoche 1923 wieder ins Bewußtsein rücken.
Gera: »Pulcinella« und »Frühlingsopfer«
Die Idee eines heidnisch-religiösen Rituals schien für die hauseigene Libretto-Fassung wichtiger als die Einführungsbemerkung des Komponisten zu seinem fertigen Werk, er habe »den äußersten Aufschwung der immer sich erneuernden Natur darstellen wollen«.
Denn das Geraer »Frühlingsopfer« wird in einem tempelartigen Raum vollzogen. Der archaisch kalte Saal entspricht der Unmenschlichkeit der Opferzeremonie, schließt aber das Fünkchen Hoffnung aus, das im naturhaft-urzeitlichen Geschehen blinkt. Anstelle des ländlichen Brauchs das priesterliche Ritual. Mädchen betreten angsterfüllt den Tempel, in dem Priester mit elementar-barbarischem Tanz ihre Gottheit beschwören. Eines der Mädchen wird dem Oberpriester dargebracht, während den Jüngling die fanatischen Priester zu Tode peinigen. Die Priesterin wirkt hypnotisierend-zwingend auf das Mädchen ein, so daß es – die »Auserwählte« – in tranceähnlichen Bann gerät. Ihren Körper befällt ein heftiger Taumel, erschöpft sinkt sie zu Boden, bevor...
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