5.3. Atembeweglichkeit
Erschienen in: Recherchen 177: Die Leiblichkeit der Texte (04/2026)
Sie ist im Alltag eine der unauffälligsten Atemqualitäten. Solange wir mit der Umwelt im Einklang sind, uns in vertrauter menschlicher und räumlicher Umgebung befinden, bewegt sich der Atem unaufwendig, verbindet er uns als empfindende Wesen mit dem atmosphärischen Raum um uns herum – und zwar auf eine Weise, die das um uns herum gar nicht als angemessene Benennung erscheinen lässt, weil wir in solcher Verfassung Teil des atmosphärischen Raums sind, und damit die Rede von einem Innen und Außen unserer Erlebnisrealität nicht entspricht.
Erst in Momenten, wo diese Übereinstimmung verloren geht, wo sich Unstimmigkeiten ergeben zwischen innerer Verfassung und äußerer Atmosphäre – wenn wir uns etwa nüchtern zwischen angeheiterten Partygästen oder albern aufgelegt durch ein steifes Opernpublikum bewegen –, geht diese Selbstverständlichkeit verloren. Dabei droht die Atembeweglichkeit im ersten Beispiel ins Stocken zu geraten; im zweiten Beispiel nehmen wir vielleicht eher eine überbordende, impulshafte Bewegungstendenz wahr, die sich als Lachlust äußert. In beiden Fällen ist der Einklang zwischen der Umgebungsatmosphäre und der eigenen Gestimmtheit – Grundlage für eine unauffällige Atembewegung – verloren gegangen.
Wer Menschen im spontanen Gespräch erlebt, kann beobachten, wie deren Atem – je nach Temperament, Stimmung und Gesprächsgegenstand – eine spezifische Grundfrequenz ausbildet; wie darüber hinaus im...
















