5.4. Atemimpuls
Erschienen in: Recherchen 177: Die Leiblichkeit der Texte (04/2026)
Werden bei einem Darsteller oder einer Darstellerin klare Spielimpulse vermisst, so liegt es zunächst nahe, die einem Text zugrunde liegenden Aktionsimpulse herauszuarbeiten oder, wie es häufig formuliert wird, am »Untertext« zu arbeiten. Man kann annehmen, dass an den meisten Schauspielschulen »die Studenten [...] bereits im Grundlagen-Seminar [...] erfahren, was ein Untertext ist und wie er entsteht.« Ihnen wird bewusst gemacht,
dass dem gesprochenen Wort, das Teil der Handlung ist, ein Aufnehmen, Bewerten und Sich-Entscheiden vorangeht. Dieser Prozess ist formulierbar, vor allem mittels Entscheidungsfragen: »Soll ich das oder etwas anderes tun?« Im Ergebnis solcher Überlegungen entstehen Entschlüsse, die in Verbindung mit dem Wollen der Figur, das heißt der Handlungsabsicht des Spielers, zu Spielimpulsen führen.27
Um solche Spielimpulse sinnvoll an den Autorentext rückzubinden, ist es hilfreich, die Tatsache zu berücksichtigen, dass jede Textvorlage sich in der sprecherischen Erarbeitung als Ensemble klar akzentuierter Rhythmusgruppen entfaltet. Diese sind keineswegs eindeutig zu ermitteln, sondern variieren je nach persönlicher Zugangsweise und ermitteltem Subtext.28 Das bedeutet: Auffinden der Spielimpulse und Auffinden möglicher Akzentuierungsstellen ergeben sich in gegenseitiger Abhängigkeit, sind aber durchaus voneinander zu unterscheiden.29
Je deutlicher sich die Textvorlage im Erarbeitungsprozess aus einem gleichförmigen Fließ-Text in ein Ensemble rhythmischer Gruppen mit klar definierten energetischen...
















