Kennengelernt habe ich Alexander Weigel vor über 30 Jahren. Ich war Student der Theaterwissenschaften und konnte am Deutschen Theater an der Inszenierung „Yerma“ als Assistent mitarbeiten. Weigel war der Dramaturg. Ich war fleißig, interessiert und ehrgeizig, wir mochten uns. Deshalb folgte die Mitarbeit an einer Expressionismus-Matinee, bevor 1987 bei Müllers „Lohndrücker“-Inszenierung unsere erste intensive Zusammenarbeit begann. Was mir auffiel, war die ungeheure Genauigkeit, mit der er arbeitete, die auch etwas mit dem Zeitreservoir der DDR zu tun hatte – der Wechsel auf die Zukunft war noch nicht fällig geworden.
Weigel war der Archäologe, der sich geduldig durch die Archive und Bücher wühlte. Für ihn hatten alte Akten „etwas Erotisches, man konnte immer etwas Interessantes finden“. Die Arbeit hatte scheinbar etwas Zielloses – es war wie früher in einem Antiquariat –, man suchte nicht, sondern fand. Es war auch ein kriminalistischer Ehrgeiz dabei und die Suche nach einer Realität jenseits des manchmal aufgeblasenen Theaterbetriebs. Dabei war Weigel immer an den gesellschaftlichen, für ihn geschichtlichen Umständen von Theater interessiert. Er setzte die Stoffe, die Figuren in Beziehung zur jeweiligen geschichtlichen Situation. Als ich ihn in Vorbereitung einer Inszenierung von „Amphitryon“ besuchte, verwies er auf die Zeit, in der sein Lieblingsdichter Kleist das...