Thema
Eine neue Form des Lebens
Dirk Harms hat 26 Jahre in den Justizvollzugsanstalten in Iserlohn und Schwerte Gefängistheater gemacht
von Stefan Keim
Erschienen in: Theater der Zeit: Gefängnistheater (04/2026)
Assoziationen: Nordrhein-Westfalen

Von September 2019. Die deutschsprachige Erstaufführung des Stückes „The Prisoner“ (Der Gefangene) von Marie Helène Estienne und Peter Brook. Sie findet hinter Gittern statt, in der Justizvollzugsanstalt Schwerte. Strafgefangene spielen das Gleichnis über Schuld und Sühne, die Gruppe heißt Theaterlabor, geleitet wird sie vom evangelischen Pfarrer und Theaterpädagogen Dirk Harms.
Das Publikum muss Ausweise mitbringen, Handys und Portemonnaies abgeben, die übliche Prozedur bei einem Besuch im Gefängnis durchlaufen. Dann erlebt es junge Männer und eine Frau – die Praktikantin –, die höchst konzentriert und gedankenklar die Geschichte aufführen. Es geht um einen Mann, der seine Schwester beim Sex mit dem gemeinsamen Vater erwischt. Er tötet den Vater und wird dafür nach den alten Gesetzen bestraft. Sein Onkel Ezechiel fügt ihm lebensgefährliche Wunden zu. Seine Schwester heilt ihn. Jetzt könnte der Mann fliehen, aber das tut er nicht.
Seine selbst gewählte Strafe ist ungewöhnlich: Er setzt sich vor das Gefängnis und schaut von außen auf das Gebäude. Er bleibt zehn Jahre dort, lernt zu überleben, schaut immer weiter auf das Gefängnis, bis es irgendwann abgerissen wird. Auch dann geht er nicht fort, sondern schlendert durch die Ruinen. „Du musst das Gefängnis immer in deinem Inneren behalten“, sagt sein Onkel. Peter Brooks...

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