Kolumne: „Wir gehen rein“
TdZ+Wir gehen nicht rein
„Wir gehen rein“ – TdZ-Redakteurin Lina Wölfel greift Phänomene der Theaterwelt auf.
von Lina Wölfel
Assoziationen: Berlin Schaubühne am Lehniner Platz
Erschienen am 17.5.2026

Auswahl bedeutet Ausschluss. Das habe ich bereits in der Septemberausgabe dieser Kolumne über Juryentscheidungen geschrieben. Gleiches gilt für redaktionelle Entscheidungen. Die Frage „Wo gehen wir rein?“ frisst in Redaktionen erstaunlich viel Zeit. Welche Künstler:innen verdienen überregionale Aufmerksamkeit? Welche Autor:innen versprechen spannende Theatertexte? Welche Häuser wurden lange nicht besprochen? Nach außen erscheinen derartige Entscheidungen wenig transparent. Um zumindest einen Teil des Betriebsgeheimnisses zu lüften und zur Disposition zu stellen, ist es vielleicht Zeit, in dieser Kolumne über zumindest einige unserer Redaktionskriterien zu sprechen. Am besten anhand einer Topinszenierung. Schon beim Blick auf die Namen würden wohl viele Journalist:innen schreien: „DAS IST EIN EREIGNIS“. Das volle Promi-Berlin-Paket, das man auch im Halbschlaf noch als überregional relevant durchwinken kann. „Der Geizige“ von Thomas Ostermeier mit Lars Eidinger an der Berliner Schaubühne (die erste neue Produktion der beiden seit über zehn Jahren). Wer auf unserer Website nach einer Rezension sucht, wird nicht fündig werden. Warum wir nicht reingegangen sind? Wir gehen rein!
Unser erstes Kriterium ist schnell erzählt, aber schwer durchzuhalten: jüngere, nicht cis-männliche Regie mitunter bekannten und etablierten Namen vorzuziehen. Wir versuchen zu berücksichtigen, wer in den letzten Jahren auf überregionalen Bühnen produziert hat und damit auch mit reichlich Berichterstattung ausgestattet wurde. Es...
Erschienen am 17.5.2026


















