Das Traumbild
von Ludwig Christoph Heinrich Hölty
Erschienen in: Hell ist die Nacht – Eine Dokumentation (12/2025)

Wo bist du, Bild, das vor mir stand,
Als ich im Garten träumte,
Ins Haar den Rosmarin mir wand,
Der um mein Lager keimte?
Wo bist du, Bild, das vor mir stand,
Mir in die Seele blickte,
Und eine warme Mädchenhand
Mir an die Wangen drückte?
Nun such’ ich dich, mit Harm erfüllt,
Bald bei des Dorfes Linden,
Bald in der Stadt, geliebtes Bild,
Und kann dich nirgends finden.
Nach jedem Fenster blick’ ich hin,
Wo nur ein Schleier wehet,
Und habe meine Lieblingin
Noch nirgends ausgespähet.
Dein großes blaues Augenpaar,
Woraus ein Engel blickte;
Die Stirne, die so freundlich war,
Und guten Abend nickte;
Den Mund, der Liebe Paradies,
Die kleinen Wangengrübchen,
Wo sich der Himmel offen wies:
Bring’ alles mit, mein Liebchen!
Wolfgang Amadé Mozart (1756–1791)
Das Traumbild, KV 530 (1787)














