5.5. Atemelastizität/Automatische Luftergänzung
Erschienen in: Recherchen 177: Die Leiblichkeit der Texte (04/2026)
Eine immer wiederkehrende Situation im Ausbildungsalltag von Schauspielstudierenden: szenischer Unterricht. Die Darstellerin oder der Darsteller proben einen Monolog oder eine Szene, Schauspieldozentin und Sprechpädagoge schauen zu, bemerken, dass der (oder die) Spielende auf der Bühne »mit angezogener Handbremse« agiert, d. h. mit festgehaltener Bauchdecke und flachem Atem. Der Atem wird nicht gelöst, die automatische Atemergänzung funktioniert nur sehr eingeschränkt. Häufig erfolgt nun, von Seiten der Dozierenden, in freundlichem Ton der Ruf: »Atmen!« Daraufhin kann zweierlei passieren. Es kann sein, dass der oder die Angesprochene nun die Bauchdecke löst, sich der Atem mit der szenischen Situation verbindet, an Fülle und Beweglichkeit gewinnt und das Spiel Fahrt aufnimmt. Es kann aber auch vorkommen (und das ist der häufigere Fall), dass die Atemanweisung von Dozentenseite die Studierenden noch mehr verunsichert, als zusätzlich zu beachtende Aufgabe verstanden wird. Durch die verstärkte Selbstbeobachtung werden die Spielimpulse noch mehr gehemmt.
Für die Sprechdozierenden bedeutet dies ganz einfach die Erkenntnis, dass in der regelmäßigen gemeinsamen Arbeit mit den Studierenden deren Atemorganismus noch nicht beweglich, noch nicht elastisch genug geworden ist, um in der Probensituation unangestrengt zur Verfügung zu stehen. Das hat Konsequenzen für das gemeinsam zu gestaltende Atemtraining. Unter den verschiedenen bisher behandelten Atemqualitäten kommt dabei der...
















