Als Ulrich Eckhardt, promovierter Jurist und ausgebildeter Musiker, 1973 aus Bonn, wo er drei Jahre als Kulturreferent gewirkt hatte, nach Westberlin berufen wurde, um die Position eines Intendanten und Geschäftsführers der Berliner Festspiele zu übernehmen, da hatte ein Mann seinen Ort gefunden und der Ort seinen Mann. Der 39-jährige Westfale trat, zwei Jahre nach dem Grundlagenvertrag zwischen den beiden deutschen Nachkriegsstaaten, mit dem festen Vorsatz an, in der ehemaligen Frontstadt ein Tor zu öffnen, das bisher verschlossen gewesen war, das Tor zu dem östlichen, sozialistisch formierten Europa. Um nicht in Konflikt mit dem sozialistischen Lager zu geraten, das die Dreisektorenstadt wegen ihrer Anbindung an die deutsche Westrepublik mit einem Bann belegt hatte, war er auf den Gedanken gekommen, die vor allem mit Bundesmitteln finanzierten Festspiele aus einer Institution des Senats in eine GmbH zu überführen; fortan firmierte sie als Privatunternehmen. So war er bestens gerüstet für eine Aufgabe, die er 28 Jahre lang mit einer Empathie, Erfindungslust und Motivierungsgabe erfüllte, die geografisch wie thematisch keine Grenzen kannten, obwohl er realiter immer wieder an solche stieß.
In einem Buch, das im Berliner Siebenhaar Verlag erschienen ist, hat Eckhardt unter dem Titel „Über Mauern geschaut. Was Kultur kann – und soll“ Bericht...