Gespräch
Gespräch mit einer Dramatikerin aus Lille (1/2)
von Kevin Rittberger und Teresa Kovacs
Erschienen in: Der Messingkauf im Curazän – Eine Ästhetik der Verschränkung (02/2026)
Assoziationen: Dramatik

Eduardo Kohn hat jahrelang im Amazonas-Regenwald gelebt und in seinem Buch Wie Wälder denken ein neues Zeichensystem beschrieben, zu dem Menschen und Nicht-Menschen gleichermaßen beitragen. Welches Zeichensystem, welches Wissen, welche Erkenntnistheorien wurden im europäischen Theater eigentlich verbannt? Und sind die Geister der Ausgeschlossenen heute im europäischen Theater wahrnehmbar?
Bevor ich auf die philosophischen Details eingehe, möchte ich dieses Zitat von Nietzsche anführen: „Um Philosoph zu sein, muss man zuerst tanzen können.“
Ich glaube, dass die Theorie nicht von der kreativen Praxis getrennt werden sollte und dass sie untrennbar mit ihr verbunden ist. Körper und Geist leben und arbeiten zusammen.
Ich versuche, mir die Frage nach dem Curazän zu stellen, und warum dieses Konzept heute so wichtig ist. Wir leben in einer zunehmend polarisierten und gespaltenen Welt. Es ist schwer, Orte zu finden, an denen wir gemeinsame Sache machen und eine gemeinsame Sprache sprechen können. Wo wir unsere gesellschaftlich beschädigten Wesen zur kollektiven Heilung ablegen können.
Ich denke viel über das Konzept von Ubuntu nach, das der kenianische Philosoph John Bitty in Bezug auf das Bantu-Wissen theoretisiert hat: Ich bin, weil wir sind.
Menschlichkeit ist eine Aufgabe, die mit der Unterstützung anderer Menschen erfüllt werden muss. Das Kollektiv ist in dieser...


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