Alexandra Badea, „Varisia“, das klingt nach einer fiktiven Landschaft, mythisch, fast märchenhaft. Dabei existiert der Ort tatsächlich, auf Zypern.
Es handelt sich um ein Dorf, das sich in einer Art no-man’s-land auf Zypern befindet. Ein Geisterdorf, wo niemand mehr lebt. Als es 1974 zur Invasion der türkischen Armee kam, sind die Menschen von dort geflüchtet. Danach haben die Vereinten Nationen im Rahmen eines Friedensprogramms eine Mauer errichtet, eine Grenze zwischen den beiden Gemeinden, die sich dort seit langer Zeit gegenseitig umgebracht hatten. Es gab unglaublich viele Dörfer, die im Zuge dieses Programms evakuiert wurden. Ich war selbst dort, habe diese Dörfer aus der Ferne gesehen. Man hat mir damals von einer Frau erzählt, die sich weigerte, ihr Dorf zu verlassen. Niemand außer den UN-Soldaten konnte sie besuchen. So lebte sie jahrelang, eine Einsiedlerin. Das hat mich sehr berührt. Als das Grazer Theater mich einlud, etwas zum Thema Grenzen zu schreiben, fiel mir die Geschichte sofort wieder ein.
Ihr Stück greift das Thema natürlich in Bezug auf geografische Grenzen auf. Es berührt aber auch andere Grenzen, etwa die zwischen den Zeiten. Da ist einerseits Iva, eine junge Frau, die 2014 in Varisia in einem Zentrum arbeitet, wo Familienangehörige ihre ermordeten Angehörigen...