Essay
Rauf auf große Bühnen!
Mütterdramen am Beispiel Pina Bergemann
von Michael Helbing
Assoziationen: Pina Bergemann Jorinde Dröse Leo Lorena Wyss Berliner Ensemble Schauspiel Hannover Sophiensaele Theaterhaus Jena

Am Anfang war das Schamgefühl. Da gab es diese entsetzliche Lücke in der Vita einer Schauspielerin, entstanden durch die erste Schwanger- und Mutterschaft vor nunmehr zehn Jahren. Pina Bergemann aus Stuttgart ging, nach Festengagements in Kiel und Leipzig, mit Ende zwanzig in Elternzeit sowie nach New York, wohin ihren Partner ein Stipendium führte. Irgendwann griff sie zum probaten Mittel vor allem aus der Szene Bildender Künstler: „Ich habe meine Biografie gefälscht.“ Bergemann erfand die New Yorker Theaterproduktion „Leaving Carthago“, an der sie beteiligt gewesen sein will.
Zurück in Deutschland sowie, zunächst freischaffend, im Beruf, fragte lange niemand danach. Bis Walter Bart vom Kollektiv Wunderbaum, das 2018 die Leitung des Theaterhauses Jena übernommen (siehe TdZ 10/2022) und Bergemann engagiert hatte, sie darauf ansprach. Was daraus wurde, war gleichsam das nachgereichte Stück zur biografischen Fiktion, das tiefgründig und hochkomisch jene Scham hier unterlief und dort überspielte, das Bergemann in der Hauptrolle verbal mächtig auf die Kacke hauen und die Muttermilch am Ende veritabel spritzen ließ. Zusammen mit der Dramatikerin Anna Gschnitzer, die zu jener Zeit gerade ebenfalls ein Kind bekommen hatte, verfremdete sie ihre eigene, sehr private Geschichte zum Exempel und führte dabei erstmals auch Regie.
Bergemann organisierte dafür zudem...







.jpeg&w=3840&q=75)















