International
Mehrsprachige Normalität
Ein Beispiel für verbündende Theaterpraxis aus Belgien
von Dahlia Pessemiers-Benamar und Valéry Warnotte
Erschienen in: ixypsilonzett winterheft 2025/26: Perspektiv:Wechsel (01/2026)
Assoziationen: Europa

Das AGORA Theater entstand in der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens Anfang der 1980er Jahre – getragen vom Engagement einiger Bewohner*innen von St. Vith und Umgebung. Sprache war hier identitätsstiftendes Element und Angebot zur Auseinandersetzung mit dem eigenen Blick auf Kultur und Weltsicht. Auch dieser sehr kleine Teil Belgiens, dessen Bewohner*innen deutschsprachig sind, wollte gehört werden – und die Gründung einer Theatergruppe war hierfür ohne Zweifel eine poetische und friedliche Ausdrucksform.
Das Verhältnis zwischen Sprache und Identität ist komplex und dynamisch und wird von kulturellen, politischen und sozialen Faktoren geprägt. Der politische Kontext Belgiens und der Ansprüche verschiedener Gemeinschaften, die sich über Sprache als Kultur definieren, fungierte zugleich als ideologischer und gemeinschaftlicher Aushandlungsraum.
„L’union fait la force – Einigkeit macht stark“ ist das Nationalmotto Belgiens und dennoch gibt es auf föderaler Ebene kein Kulturministerium. Die Kultursubventionen werden von den drei Gemeinschaften getragen, so dass Sprache zu einem zentralen Marker kultureller Zugehörigkeit wird. Die Sprache als Unterscheidungsmerkmal lenkt zugleich den Blick auf Verbindendes und auf die Brüchigkeit und Willkür von Grenzen, egal ob sie geografisch oder sprachlich sind. Die Porosität der Sprachgrenzen und die Besonderheit der geografischen Lage machen auch den Reichtum Belgiens aus, das nicht nur mehrsprachig, sondern auch voller Dialekte ist....


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