Zwickau: »Die Nachtigall«
Aus TdZ 4/1982
von Volkmar Draeger
Erschienen in: Die andere Seite – Tanz in der DDR von 1975 bis 1997 (04/2026)
Knapp 25 Jahre nach der Dresdner Uraufführung (Choreographie Tom Schilling) und nach weiteren Inszenierungen nun in Zwickau: »Die Nachtigall« nach dem gleichnamigen Märchen von Andersen. Die parabolische Geschichte, die auch Werner Egk zu einer Ballettmusik anregte, berichtet, wie der Gesang einer Nachtigall den jungen Kaiser von Schwermut und Lebensüberdruß zu heilen vermag, was einer künstlichen Nachbildung des Vogels nicht gelingt: Die Natur triumphiert über jedwede Imitation; nur das Natürliche wirkt ergötzend und kräftigend auf die menschliche Seele. Das Libretto setzt dem Hofvolk, dessen öd-leere Tage in mechanischem Gleichmaß ablaufen, das arbeitende Volk entgegen, das für die lebensspendende Botschaft der Nachtigall empfindsam geblieben ist.
Horst Jentsch reduzierte für sein kleines Ensemble (8 Damen, 4 Herren) die Zahl der Rollen auf ein vertretbares Minimum, was musikalische Striche nach sich zog, auch mit Rücksicht auf die Zielgruppe der Inszenierung (Kinder der ersten bis fünften Klassen). Leider läßt Jentsch vor jedem der fünf Bilder von einem Schauspieler den Inhalt erzählen, was sich mit dem Tanzgeschehen doppelt, dessen Wirkung bricht. Die stark pantomimische Choreographie ist weitgehend vordergründig-oberflächlich, technisch substanzarm und dringt selten zu persiflierender Komik vor. So wirken Haushofmeister, Doktor und besonders die beiden Räte als Typen gequält, in ihrer stupiden Mimik und Gestik...















