»Tanztheater-Forum II«. »La Vita«/»Pastorale« in der Komischen Oper Berlin
Aus TdZ 4/1985
von Volkmar Draeger
Erschienen in: Die andere Seite – Tanz in der DDR von 1975 bis 1997 (04/2026)
Zwei Werke Tom Schillings standen auf dem Programm: eine Uraufführung und eine Wiederaufnahme. Die Uraufführung trägt den so schlichten wie umfassenden Titel »La Vita« und heißt in der Unterzeile »Konstellationen für Ballett«. Die musikalische Grundlage bildet eine Auftragskomposition (1983) selben Titels von Ruth Zechlin, die ihr Werk Schilling widmete. Nach einem Libretto Bernd Köllingers erzählt die als Tanzpoem rubrizierte Choreographie vom Leben zweier Frauen.
Auf einer Straße kreuzen sich die Wege der unterschiedlichsten Passanten. Eine Mutter mit Kind, ein Bauarbeiter, Einkaufende, Teenager, Spaziergänger, Touristen, Paare eilen vorüber. Eine alte Frau, grau wie ihr Jackenkleid das Haar, verharrt bei einer Bank. In der Erinnerung erlebt sie als ihr jüngeres Ich (Hannelore Bey) Stationen ihres beschwerlichen Weges. Ein kurzes Glück nimmt ein jähes Ende: Ihr Mann muß in den Krieg und fällt, sie selbst schmerzerfüllt, gerät in Haft. Nach der Freilassung findet sie durch die Anteilnahme anderer Frauen ins Leben zurück. – Die Erinnerung verfliegt, versonnen tanzt die Alte ein Walzerfragment. Die Szene zeigt wieder die belebte Straße, diesmal löst sich die Tochter heraus. Ihr Ebenbild (Jutta Deutschland) erscheint, während sie neben der Mutter sitzt. Sie sieht sich als junges Mädchen klopfenden Herzens auf das Leben warten. Zitternd reicht sie dem Geliebten...















