Schneewittchen und so weiter. Premieren in Neustrelitz, Zwickau, Eisenach
Aus TdZ 6/1985
von Volkmar Draeger
Erschienen in: Die andere Seite – Tanz in der DDR von 1975 bis 1997 (04/2026)
Daß Ballettarbeit in kleinen Theatern oft unter schwierigen Voraussetzungen vor sich geht, ist bekannt: personelle Probleme, Arbeitsbedingungen, Einsatz in Oper/Operette/Musical, Unverständnis im eigenen Haus können dem künstlerischen Wollen entgegenstehen. Letztlich zählt aber nur das Ergebnis – trotz Achtung vor dem Einsatz des Ensembles. Unter diesem Aspekt stellen sich drei Produktionen der Diskussion: »Schneewittchen« abendfüllend in Neustrelitz und Zwickau, ein Kammertanzabend in Eisenach.
Karl-Rudi Griesbachs »Schneewittchen«, einer der wenigen DDR-Klassiker, ist Eugen Kurtzwegs zweite Arbeit in Neustrelitz und seine zweite Inszenierung des Werkes. Daß er sich in Choreographie und Dramaturgie an die Eisenacher Fassung anlehnte, ist legitim. Insgesamt schien die Einstudierung gegenüber Eisenach wirksamer, sinnfälliger, geschlossener, theatralischer. Kurtzweg standen nur sieben Tänzerinnen und ein Tänzer zur Verfügung; er mußte daher auf Laien zurückgreifen. Daß der Choreograph es nicht verstand, sich dem Leistungsvermögen seiner Interpreten anzupassen, gehört zu den Schwachstellen des Abends.
Karl-Heinz Gerlach, (Gast-) Choreograph des Zwickauer»Schneewittchen«, unterlag ähnlichen personellen Zwängen wie Kurtzweg: Das Ensemble (sieben Damen, zwei Herren) ist nicht eben prädestiniert für abendfüllende Ballette. So mußte auch Gerlach auf Gastsolisten und Extraballett zurückgreifen, besetzte sechs der Zwerge mit Kindern bzw. Jugendlichen. Trotz sehenswerter Details wirkte Gerlachs Inszenierung farblos und phantasiearm, im Ganzen schwächer und weniger...
.jpeg&w=3840&q=75)















