Report
TdZ+Eine Wette auf die Zukunft
Das Kyoto Experiment Festival – die wichtigste japanische Fringe-Institution
von Freda Fiala
Erschienen in: Theater der Zeit: Die Kürzungskatastrophe – Wie Einsparungen Theater bedrohen (01/2025)
Assoziationen: Performance Asien Dossier: Festivals

Eine schneeweiße Sahnetorte geschmückt mit einem Klecks roter Sauce und schwarzen Kerzen in Form einer Fünfzehn. Darunter eine unleserliche Signatur, die an eine kritzelartige Unterschrift erinnert, dabei aber unlösbar wirr erscheint: Wer sich im Oktober 2024 durch Kyoto bewegte, begegnete immer wieder diesem Motiv, das eineinhalb Jahrzehnte des Kyoto Experiment Festival zelebriert. Es ist auch ziemlich kawaii, was in Japan nicht nur „süß“ bedeutet, sondern aufmerksamkeitspolitisch auch „sozial relevant“.
Seit seiner Gründung durch Yasuke Hashimoto im Jahr 2010 hat sich Kyoto Experiment (KEX) als bedeutende Drehscheibe für Theater-, Tanz- und spartenübergreifende Performance in der Kansai-Region etabliert. Seit 2020 wird das Festival vom Trio Yoko Kawasaki, Yuya Tsukahara und Juliet Reiko Knapp geleitet. Gemeinsam haben sie das ursprüngliche Konzept des Festivals erweitert, sodass neben den Showcases und Performances auch Raum für künstlerische Forschung (im Format „Kansai Studies“) und die Diskussion gesellschaftlicher Logiken und Utopien (im Format „Super Knowledge for the Future“) entstanden ist. Obwohl kuratorische Entscheidungen gemeinsam getroffen werden, setzt das Modell auf ihre jeweiligen Stärken: Künstler Tsukahara (des Kollektivs Contact Gonzo) in der Dramaturgie, die langjährige KEX-Produktionsleiterin Kawasaki in der Organisation und die zweisprachig japanisch-britisch aufgewachsene Knapp in der internationalen Kommunikation. Organisatorisch bleibt das Modell den Prinzipien eines Fringe-Festivals treu...
















