Der Ballonverkäufer
von Christof Lappler
Erschienen in: Mutige Sprünge und große Wellen – 40 Jahre theater pfütze (06/2026)

Im Herbst 1988 kam ich nach Erlangen an die Uni. Eigentlich war ein Physikstudium geplant. Bald darauf wurde gestreikt – deutschlandweit an fast allen, peinlich unterfinanzierten Universitäten. Dafür gab´s Partys in der Philosophischen Fakultät.
Dort lernte ich Bärbel kennen, Historikerin, die damals bei der Pfütze mitmachte. Man sah sich öfter, und irgendwann meinte sie, die Pfütze suche jemanden mit Talent und Lust auf Schauspiel. Das hatte ich meiner Einschätzung nach beides und im Frühjahr 89 ging ich zum „Vorsprechen“, im damaligen Proberaum in der „Resi“.
Eine Szene, die dem neuesten Stück entstammte: ein Luftballons verkaufender Mann, der sehnlichst versucht, Kund:innen anzulocken. Ich sollte also die nicht vorhandenen Ballons den beiden anwesenden künftigen Kolleg:innen (Christine und Christian) und dem Regisseur Jürgen Decke so überzeugend sympathisch anpreisen, dass sie die zwischen uns liegende Distanz von etwa zehn Metern überwanden und zu mir kamen. War ich schlecht, ließen sie mich ihr Missfallen durch langsames Zurückweichen spüren. Ich durchlebte Panik, Freude, Hilflosigkeit, Hoffnung und schließlich glückliche Erschöpfung – als Spiel in davor unbekannter Dimension. Ich überzeugte – oder erweckte wenigstens Mitleid. Aber ich war dabei.
„Es ist eine gefährliche Angelegenheit, […] aus deiner Tür hinauszugehen. Du gehst auf die Straße, und wenn du nicht...















