Mit dem Auftritt Norwegens als Ehrengast der Frankfurter Buchmesse im vergangenen Herbst kehrte auch Jon Fosse als Prosa-Autor nach Deutschland zurück, und zwar ganz groß. „Der andere Name“ sind die ersten beiden Teile einer Heptalogie, die mit ihrer vollständigen Veröffentlichung 1500 Seiten Umfang weit übersteigen dürfte. Die Lektüre der ersten beiden der insgesamt sieben Bände führt in den auch aus seinen rund dreißig Stücken bekannten Fosse-Kosmos im südwestlichen Norwegen, zu den Fjorden um die Stadt Bergen, die im Buch Bjørgvin – so der Gründungsname, was Bergwiese bedeutet – heißt.
Der Protagonist Asle ist ein zum Katholizismus konvertierter Maler, der das Abbilden des Leuchtens im Dunkeln zu seiner Kunst gemacht hat. Man darf hier an die Geschichte des Malers Lars Hertervig (1830–1902) denken, die Fosse vor über zwanzig Jahren in seinem Roman „Melancholie“ als eine ähnliche mystische Suche schilderte. Der im Unterschied zu Hertervig im Glauben verankerte Asle begegnet bei einem Besuch seiner Galerie in Bergen einem Namensbruder. Oder vielmehr findet er den alkoholkranken Asle, gleichfalls Maler, auf dem Weg halbtot im Schnee und liefert diesen in ein Krankenhaus ein. Im Grunde ist das schon die ganze Handlung, die von Asle als Gegenwartsgedankenstrom mit unvermittelten Zeitsprüngen in sich weit verästelnde Erinnerungen...