Theater als Safe Space
von Elisa Merkens
Erschienen in: Mutige Sprünge und große Wellen – 40 Jahre theater pfütze (06/2026)

Als ich fünf war, verließ ich Deutschland mit meiner Familie. Ein Gefühl der Sehnsucht, des Entwurzeltseins setzte sich in mir fest. Ich lebte einen Großteil des Tages in meiner eigenen Welt, in der ich Geschichten erfand, mit Bäumen sprechen konnte und stundenlang durch die Natur streifte. Ich hatte ein starkes Gefühl, anders zu sein, und fragte mich ernsthaft, ob Erwachsene wirklich zuhören, wenn man etwas sagt.
Und dann gab es da ein paar Dinge, die mich gerettet haben – und das meine ich wörtlich. Denn ich war schüchtern, machte keine großen Szenen, um auf mich aufmerksam zu machen, und die Fülle an Gefühlen, Ideen und Gedanken konnte manchmal erdrückend sein, wenn sie keinen Raum fanden, um sich auszudrücken.
Als Erstes waren da die Bücher. Bücher wurden für mich Rückzugsorte. Orte und Freund:innen zum Mitnehmen im Schulrucksack. Auf dem Schulhof war ich sicher, wenn ich las. So verbrachte ich viele Schulpausen an der Seite meiner Ritterfreundin Alanna auf dem Rücken eines Pferdes, spazierte durch Cornelia Funkes Tintenwelt, saß als einziges Mädchen in der Tafelrunde von König Artus und natürlich immer wieder neben Ron, Hermine und Harry im Zaubertränke-Unterricht von Professor Snape. Ich habe Hunderte von Büchern gelesen, genossen und verschlungen. Ohne...















