England
von Maria Nesemann
Erschienen in: Digitale Reihe: Demokratisches Theater – Teilhabe am öffentlich geförderten Theater in Deutschland, England und Frankreich (08/2026)
Originaltitel in der Printausgabe: 3.2 England
3.2.1 Stand der Forschung
England ist in diesem Vergleich der „Champion“ der Kulturnutzungsforschung: Im Gegensatz zu Deutschland und Frankreich zählt hier die Beforschung der Nutzung öffentlicher Kulturangebote seit zwanzig Jahren zum festen Bestandteil von staatlich gefördertem Audience Development: Kultureinrichtungen, die öffentlich gefördert werden, sind verpflichtet, Publikumsdaten zu erheben (über die reine Auslastung hinaus). Außerdem gibt es regelmäßige Bevölkerungsbefragungen zur Nutzung der vom Department for Digital, Culture, Media and Sports (DCMS) geförderten Sektoren. Das DCMS führte in England von 2005 bis zum Beginn der Corona-Pandemie im März 2020 die jährlich durchgeführte Studie Taking Part durch, die Daten zur Häufigkeit der Teilnahme, Gründen und Hindernissen für die Teilnahme und Einstellungen zu den Sektoren Kultur, Digitales und Sport erhob. Diese war unterteilt in die Befragung von Erwachsenen (ab 16 Jahren) und Kindern und Jugendlichen (5 bis 15 Jahren) und als Face-to-face-Befragungen angelegt. 2020 wurde die Studie auf die digitale Participation Survey umgestellt, die nunmehr vierteljährlich Daten in der Bevölkerung ab 16 Jahren erhebt. Aufgrund der unterschiedlichen Forschungssettings ist nur eine begrenzte Vergleichbarkeit zwischen den beiden Bevölkerungsbefragungen herstellbar.1 Im Folgenden wird sich – mit Hinweis auf die jeweilige Studie – auf Erkenntnisse aus Taking Part und der Participation Survey bezogen. Außerdem sind Kultureinrichtungen, die über mehrere Jahre institutionell gefördert werden – die sogenannten National Portfolio Organisations (NPO) –, verpflichtet, Publikumsdaten zu sammeln und in der Förderperiode 2023 bis 2026 vierteljährlich auf Illuminate, einer Datenplattform von PricewaterhouseCoopers LLP, einzuspeisen.2 Zudem müssen sie einmal jährlich die Annual Data Survey ausfüllen. Diese ist öffentlich einsehbar.3 In der vorangegangenen Förderperiode war die NGO Audience Agency für die Datensammlung der NPO zuständig.4 Der Audience Finder lieferte nicht nur die Tools zum Einspeisen der Daten für die NPO, sondern auch Einblicke in die erhobenen Daten. Mittlerweile wird die Audience Agency nicht mehr vom ACE gefördert, bietet aber mit dem Audience-Answers-Tool weiterhin (kostenpflichtige) Beratung und Umsetzung von Besucher:innenforschung für Kultureinrichtungen an. Audience Agency führt seit Oktober 2020 dreimal jährlich Erhebungen für eine Längsschnittstudie zu Kulturnutzung in der Bevölkerung durch (Cultural Participation Monitor).5 Hier werden Aktivitäten, aber auch Einstellungen zum Kulturbesuch erfragt und Veränderungen seit Beginn der Pandemie verfolgt. Auch auf diese Studie wird sich im Folgenden bezogen. Erwähnenswert ist außerdem die 2016 veröffentlichte Analysis of Theatre in England, die vom ACE in Auftrag gegeben wurde.6 Die hier durchgeführte Sekundäranalyse von Studien zur Theaternutzung ist ebenfalls aufschlussreich.
3.2.2 Entwicklung der Theaternachfrage
Aus der Taking-Part-Studie lässt sich entnehmen, dass sich die Nutzung an Theaterangeboten in den vergangenen zwanzig Jahren nur geringfügig geändert hat: 2005/2006 gaben 23 % an, ein „play“ oder „drama“ gesehen zu haben, 2015/16 waren es 22 %.7 Laut Eurobarometer in UK besuchten 41 % der Bevölkerung 2007 mindestens einmal ein Theaterangebot, 2013 waren es 39 %. Hier ist also ebenfalls kaum Veränderung zu erkennen.8 Dass sich die Theaternutzung nicht verändert hat, ist bemerkenswert ob der intensiven Audience-Development-Bemühungen der letzten Jahrzehnte. Hadley beobachtet für den Kulturbereich insgesamt:
DCMS data shows that for over ten years, the proportion of adults who report having engaged with the arts in each of the previous twelve month periods has remained static at around 77 % (Arts Professional 2016). Arts engagement in England has not increased since 2005/06, although there have been pockets of growth amongst those in rural areas, older people and those with a disability (Arts Professional 2015).9
Hadley beobachtet also keine Veränderungen in der Quantität der Nutzung von Kulturangeboten insgesamt, aber doch einige Veränderungen in der Zusammensetzung von Kulturnutzer:innen – darauf wird im Folgenden noch genauer einzugehen sein.
3.2.3 Aktuelle Daten zur Theaternachfrage
Laut der Participation Survey des DCMS besuchten 2021 14 % der Bevölkerung eine Veranstaltung der Kategorie „play, drama, musical, Pantomime, Ballet, Opera“,10 bei der Erhebungswelle 2021/2022 waren es 19 %,11 bei der Erhebungswelle 2022/2023 30 %,12 2023/2024 39 %.13 Auch wenn hier ein deutlicher (Wieder-)Anstieg der Besuche nach der Pandemie zu erkennen ist, lassen die Daten des Cultural Participation Monitor der Audience Agency vermuten, dass sich im Zuge der Corona-Pandemie langfristig eher ein Abnahmetrend verstetigt (ähnliches hat das Institut für Kulturelle Teilhabeforschung in Berlin festgestellt, siehe 3.1.3). Während im Februar 2023 31 % der Befragten angaben, insgesamt weniger Kulturangebote als vor einem Jahr wahrzunehmen, waren es im Juli 2023 42 % (also 11 % mehr).14 Diesen Abnahmetrend stellt die Audience Agency in Zusammenhang zu den gestiegenen Lebenshaltungskosten: 73 % der Befragten gab an, dass sie sich Sorgen über die Lebenshaltungskosten machten.15 52 % derjenigen, denen es finanziell schlechter geht als im Jahr zuvor, sagten aus, dass sie weniger Kunst- und Kulturangebote wahrnähmen.16
3.2.4 Zusammensetzung des Publikums
In England werden Daten zu „ethnicity“ und „race“ erhoben: Die Taking-Part-Studien unterscheiden bei „ethnicity“ zwischen „white“ und „non-white“,17 in der darauf folgenden Participation Survey kann zwischen 18 unterschiedlichen Optionen in der Kategorie „Ethnicity“ gewählt werden.18 Die Audience Agency arbeitet außerdem mit der Unterscheidung von Lebensstilen: Im Gegensatz zu Deutschland und Frankreich gibt es hier repräsentative Daten für das gesamte Land, die zwischen zehn Lebensstilen (von den „Commuterland Culturebuffs“ bis zu den „Dormitory Dependables“) unterscheiden.19 Um die Kategorien möglichst vergleichbar zu halten, wird sich im Folgenden aber auf die bereits bekannten Kategorien Geschlecht, Alter und formale Bildung bezogen.
Theaternachfrage und Geschlecht
Ähnlich wie in Deutschland ist in den englischen Studien deutlich erkennbar, dass mehr Frauen als Männer Theaterangebote nutzen. Den größten Unterschied in den Daten stellt die Analysis of Theatre in England fest, die sich auf Daten von Purple Seven für 18 Monate bis zum 1. März 2016 bezieht: Hier waren 64 % der befragten Besucher:innen von öffentlich geförderten Theatern weiblich und nur 36 % männlich.20 Aufgeschlüsselt nach Geschlecht werden die Daten zur Theaternutzung auch in der Taking Part Survey 2014/15 (18,5 % der männlichen Befragten gaben an, im vergangenen Jahr im Theater gewesen zu sein, 24,8 % der weiblichen Befragten) und 2015/16 (18,8 % männlich, 25,9 % weiblich).21 In der Eurobarometer-Befragung 2013 ist der Unterschied ebenfalls deutlich erkennbar: 34 % der männlichen Teilnehmer und 44 % der weiblichen Teilnehmerinnen sagten aus, im vergangenen Jahr im Theater gewesen zu sein.22
Theaternachfrage und Alter
Den größten Anteil im Theaterpublikum machen die 55- bis 64-Jährigen aus, zeigt die Sekundäranalyse in Analysis of Theatre in England, die sich auch hier auf Daten von Purple Seven bezieht.23 Das deckt sich in etwa mit der Verteilung der Altersgruppen der Bevölkerung, die in den Taking-Part-Studien und der Participation Survey angab, im vergangenen Jahr im Theater gewesen zu sein. Interessant an den Taking-Part-Befragungen 2014/15 und 2015/16 der beiden Jahre ist, dass sie auch nach der Häufigkeit der Theaterbesuche fragt. Von den Personen, die angaben, Theaterangebote zu nutzen, war bei den Älteren deutlich erkennbar, dass diese häufiger Theaterangebote nutzten als die Jüngeren.24
Theaternachfrage und formale Bildung
So wie in Deutschland auch, gilt: Je höher das formale Bildungsniveau, desto höher ist der Anteil der Bevölkerung, die Theaterangebote wahrnimmt. Das zeigen beispielsweise die Taking-Part-Daten von 2015/16: Der größte Teil der Befragten, die ins Theater gingen, waren Personen, die angaben „Higher Education & professional/vocational equivalents“ zu besitzen (36,3 %).25 Auch an den Eurobarometer-Daten 2013 wird die Verteilung nach Bildungsniveau deutlich: Während 55 % der Befragten, die ihren Bildungsweg mit einem Alter über zwanzig Jahren beendet hatten, mindestens einmal im Jahr ins Theater gingen, waren es bei denen, die ihren Bildungsweg bis zum Alter von 15 Jahren beendet hatten, nur 28 %.26
3.2.5 Einstellungen zum Theater
Die folgenden Ergebnisse beziehen sich nicht auf die Einstellungen explizit zum Theater, sondern zum öffentlich geförderten Kulturangebot allgemein: Eine Studie der Audience Agency 2022 zu den Einstellungen gegenüber öffentlicher und privater Förderung zeigt, dass auch in England Kunst- und Kulturorganisationen von einem Großteil der Bevölkerung als förderungswürdig angesehen werden. Auch wenn die „higher engaged audiences“ etwas häufiger für Förderung durch „individual members of the public“ (86 %) und öffentliche Förderung (84 %) stimmen, sind es bei denen mit „low engagement“ immerhin noch 63 %, die für individuelle Förderung, und 62 %, die für öffentliche Förderung stimmen. Das entspricht in etwa den Befunden aus den deutschen Bevölkerungsbefragungen, die zeigen, dass auch die, die Theaterangebote nicht wahrnehmen, zum Großteil deren (öffentliche) Förderung unterstützen. Gleichzeitig zeigt sich auch hier, dass Personen, die Kulturangebote selber nutzen, häufiger für deren öffentliche Förderung sind – für die Förderung sprachen sich bei der Studie der Audience Agency immerhin 22 % mehr Personen aus, die Kulturangebote selber nutzen.27 Auch aus der Taking-Part-Studie gibt es Ergebnisse zu den Einstellungen dem Kulturangebot und seiner öffentlichen Förderung gegenüber. Diese sind allerdings nicht ganz so positiv: In der Studie 2015/16 stimmten weniger als die Hälfte (44,6 %) der Aussage zu: „Government funding enables a wide range of people to experience the arts“. 37,9 % äußerten sich unentschlossen, 17,4 % ablehnend. Vergleicht man die Studien 2014/15 und 2015/16, so stimmte in beiden die Gruppe der 65- bis 74-Jährigen am häufigsten der Aussage zu (2014/15: 51,7 %; 2015/16: 52,8 %). Die Jüngeren stimmten am seltensten zu – in der Studie 2014/15 war es die Gruppe der 16- bis 24-Jährigen (32,1 %), in der Studie 2015/16 die Gruppe der 25- bis 44-Jährigen (41 %). Der sozioökonomische Status und die formale Bildung machten einen geringeren Unterschied aus als erwartet (2015/16: Lower socio-economic group: 40,8 %, Upper socio-economic group: 47,1 % „(strongly) agree“).28 Der Aussage „Government funding for the arts doesn’t really benefit me“ in der Taking-Part-Studie 2015/16 stimmten insgesamt 41,2 % zu („agree“/„strongly agree“). Ähnlich wie in den deutschen Studien gibt es einen deutlichen Unterschied zwischen der jüngsten befragten Gruppe zu der darauffolgenden: Die 16- bis 24-Jährige stimmten der Aussage mit 44,1 % zu, die 25- bis 44-Jährigen dagegen nur 35,2 %. Je älter die Personen werden, desto höher wird die Zustimmung dann wieder (45 bis 64: 36,4 %, 65 bis 74: 47,5 %, über 75: 56,7 %). Eine ähnliche Verteilung gibt es bei der Aussage „The arts are not really for people like me“. Dem stimmten insgesamt 17,5 % zu, bei den 16- bis 24-Jährigen waren es 22,3 %, bei den 25- bis 44-Jährigen dagegen nur 14,5 % (45 bis 64: 14,7 %, 65 bis 74: 23 %, über 75: 22,6 %). Wenig überraschend ist auch, dass der sozioökonomisch schlechter gestellte Teil der Bevölkerung beiden Aussagen wesentlich öfter zustimmt („Government funding for the arts doesn’t really benefit me“: lower socio-economic group: 48,6 %, upper socio-economic group: 36,7 %; „The arts are not really for people like me“: lower socio-economic group: 24,4 %, upper socio-economic group: 12,2 %). Interessant ist hier die Verteilung nach „ethnicity“: Der Aussage „Government funding for the arts doesn’t really benefit me“ stimmten nicht-weiße Personen öfter zu (white: 40,3 %, non-white: 46,8 %), ebenso aber auch der Aussage „The arts make a difference to the area where I live“ (insgesamt: 51,4 %, white: 50 %, non-white: 60,1 %). Besonders deutlich sind die Unterschiede bei einer weiteren von Diskriminierung betroffenen Gruppe: Während von den Befragten, die angaben, heterosexuell zu sein, 50,9 % der Aussage „The arts make a difference to the area where I live“ zustimmten, waren es bei der Gruppe derer, die sich als „LGB and other“ identifizierten, 74,2 %.29 Gesellschaftliche Minderheiten in der Bevölkerung, die Diskriminierung erfahren, scheinen also öfter davon überzeugt, dass die Künste gesellschaftlich gewinnbringend sind, selbst wenn sie gleichzeitig den Eindruck haben, dass diese für sie persönlich keinen Mehrwert bringen.
Interessant im Zusammenhang mit der aktuellen Förderstrategie des ACE Let’s Create, die einen Fokus auf die Förderung kreativer Aktivitäten der Bevölkerung legt, sind auch die Ergebnisse des Cultural Participation Monitor der Audience Agency zu „Everyday Creativity“. Bei der Erhebung im Frühjahr 2022 wurde nach Aktivitäten wie Malen, Musizieren, Fotografieren, Schreiben oder Theaterspielen gefragt. 45 % der Befragten gaben an, mindestens eine dieser Aktivitäten auszuüben. Bei der Erhebungswelle ein halbes Jahr später wurde die Liste um weniger klassische Aktivitäten, die meist nicht der „Hochkultur“ zugerechnet werden, erweitert. Befragte konnten nun beispielsweise auch Graffiti, Gaming, Mode, Kochen und Gärtnern angeben, was fast doppelt so viele Personen – 86 % der Befragten – taten. Neben den „klassischen“ kulturellen Aktivitäten Lesen und eine Bibliothek besuchen standen mit an erster Stelle Kochen und „Creating with the natural world“ (z. B. Gärtnern). Für die Theater ergibt sich daraus die Frage, ob und inwiefern sie auch Angebote schaffen, die diese Interessen aufgreifen, um attraktiver zu sein, zum einen für die Fördergeber, die ihren Fokus auf diese Aktivitäten legen,30 zum anderen für (potenzielles) Publikum: Ergebnisse aus dem Cultural Participation Monitor vom Juli 2023 zeigen, dass lediglich bei dem Lebensstil-Profil der „Metroculturals“, die als liberal, gebildet, wohlhabend und im städtischen Umfeld lebend charakterisiert werden, die beiden Aussagen „I see myself as a creative person“ und „Art and culture is an important part of who I am“ ähnliche Zustimmungswerte finden. Bei allen anderen Lebensstil-Profilen ist der Anteil an Personen, die angaben, sich als kreative Person zu begreifen, wesentlich höher als der Anteil derer, die der Aussage, Kunst und Kultur sei ein wichtiger Bestandteil ihrer Identität, zustimmten.31 Vor allem für Personengruppen, die nicht zu den Stammbesucher:innen von Theatern zählen, könnten also hier Angebote, die an den kulturellen Interessen der Personengruppen anknüpfen, attraktiv sein.
3.2.6 Erwartungen an Theater, Besuchsmotivationen und -barrieren
Der Bericht British Theatre Repertoire Report von 2014 gibt einen Überblick über die Verteilung der angebotenen Theaterformate. 2014 waren 58 % der erfassten Aufführungen „straight theatre“, 31 % Musicals und 9 % „pantomime“.32 Schaut man sich dagegen die Besuche an, waren diese anders verteilt: 51 % der Besuche fielen auf Musicalveranstaltungen, 35 % auf „straight theatre“ und 11 % auf „pantomime“. Wenn man die Verteilung des generierten Einkommens anschaut, wird der (finanzielle) Erfolg der Musicals noch deutlicher: 61 % der Einnahmen machten Musicalveranstaltungen aus, 27 % „straight theatre“. Der durchschnittliche Eintrittspreis für Musicals lag bei vierzig Pfund, der Eintrittspreis für „straight theatre“ bei 26 Pfund.33 Aus diesen Vergleichen wird deutlich: Unterhaltende Formate sind am beliebtesten und dafür gibt das Publikum auch mehr Geld aus. Die Erwartung, unterhalten zu werden, stellt auch die aktuelle Studie Cultural Participation Monitor der Audience Agency als wichtigste Motivation für die Performing Arts heraus (36 %), gefolgt von der Motivation, Zeit mit anderen zu verbringen (22 %).34
Der Cultural Participation Monitor untersuchte aber auch, welche Erwartungen die Bevölkerung bezüglich gesellschaftlicher Themen und Wertvorstellungen hat: 51 % aller Befragten sagten in der Erhebungswelle vom Sommer 2023 aus, dass sie Kultureinrichtungen bevorzugen würden, die ihre Werte teilen.35 Insgesamt 47 % sagten, Kultureinrichtungen sollten Stellung zum Klimawandel und sozialen Fragen beziehen.36 Besonders für die Jüngeren ist das wichtig: 34 % der unter 45-Jährigen sagten aus, dass ausnahmslos alle Kultureinrichtungen diesbezüglich eine Haltung einnehmen sollten (im Vergleich: 22 % der über 45-Jährigen).37
Der Cultural Participation Monitor erhob ebenfalls Daten dazu, ob Personen bei folgenden Aktivitäten lieber oder weniger gern eine Kulturveranstaltung besuchen würden: Essen und Trinken, Fotografieren, mit anderen Sprechen, sich Bewegen, Videos machen, Mitsingen/-tanzen, Telefonieren, das Handy verwenden (auf eine andere Art und Weise, z. B. Social Media), Rauchen. Die meisten Personen gaben an, dass sie lieber Kulturveranstaltungen besuchen würden, wenn sie dort Fotografieren und Essen oder Trinken könnten. Den wenigsten Zuspruch bekamen Telefonieren und Rauchen. Partizipative Angebote, die das Publikum zum Mitmachen einladen, werden oft als publikumsgenerierend angesehen. Interessanterweise ist Mitsingen oder -tanzen laut des Befunds des Cultural Participation Monitor aber eher unbeliebt: Mehr Personen gaben an, dass sie das eher von einem Kulturbesuch abhielte.38 Allerdings gibt es hier große Altersunterschiede: Während 41 % der 16- bis 24-Jährigen im Cultural Participation Monitor angaben, Kulturveranstaltungen zu bevorzugen, bei denen sie aktive Teilnehmer:innen sein können, waren es in der Altersgruppe der 25- bis 44-Jährigen nur noch 35 %, bei den über 65-Jährigen letztendlich nur noch 11 %.39
Laut Cultural Participation Monitor ist es für junge Menschen (16 bis 24 Jahre) außerdem besonders wichtig, an Kulturangeboten mit anderen Personen derselben Altersgruppe teilzunehmen (59 %). Je älter die Personen, umso weniger relevant ist dieser Aspekt.40
Was sind Barrieren, die Personen von einer Nutzung des Kulturangebots abhalten? Laut Cultural Participation Monitor wurde, wie bereits weiter oben erwähnt, die „cost of living crisis“ als relevantes Kriterium für weniger Kulturnutzung ausgemacht.41 Auch in den Ergebnissen der Participation Survey rückten finanzielle Gründe im zeitlichen Verlauf nach vorn: In der Participation Survey 2021/22 lagen finanzielle Gründe auf Platz fünf hinter fehlendem Interesse auf dem ersten Platz, gefolgt von COVID-19-bedingten Gründen, „no reason in particular“ und fehlender Zeit.42 In der Participation Survey 2023/24 dagegen waren finanzielle Gründe der dritthäufigst genannte Grund hinter „no reason in particular“ und „I’m not interested“. Auf Platz vier folgte fehlende Zeit.43 Eine ähnliche Verteilung zeigt auch schon die Eurobarometer-Studie von 2013: Dort lag mangelndes Interesse auf dem ersten Platz (34 %), mangelnde Zeit auf dem zweiten Platz (24 %) und zu teure Eintrittspreise auf dem dritten Platz (21 %).44
Anmerkungen
- „In an ideal world, users would be able to compare estimates from the Taking Part Survey with those also asked in the Participation Survey. However [sic] there have been various changes between the two surveys, namely changes in mode, questionnaire content, sampling approach & methodology, real world changes (such as COVID-19) and therefore the direct comparison of the Taking Part Survey and Participation survey [sic] was not considered feasible.“ DCMS 2023a. ↩
- Vgl. Arts Council England 2024a. ↩
- Vgl. Arts Council England o. J. b. ↩
- Vgl. Puffett 2022. ↩
- Vgl. The Audience Agency o. J. a. ↩
- Vgl. Naylor et al. 2016. ↩
- Die Taking Part-Studie erhebt von 2005 bis 2020 Daten zur Nutzung von künstlerischen Angeboten „Arts“, ohne diese zu spezifizieren. Nach Kunstformen unterschieden wird in den Veröffentlichungen von 2005 bis 2011/12. Hier finden sich also Daten zur Teilnahme an Veranstaltungen, die als „play/drama“ gelabelt werden. Vgl. DCMS 2020. Hier die Übersicht der erhobenen Daten: 2005/06: 23 %; 2006/07: 22 %; 2007/08: 22 %; 2008/09: 21 %; 2009/10: 21 %; 2010/11: 31 % (in diesem Jahr wird nicht „play/drama“, sondern „Dance or classical music performance“ als Kategorie angegeben); 2011/12: 22 %; 2014/15: 22 %; 2015/16: 22 %. Für die Jahre 2014/15 und 2015/16 sind Daten nach Kunstform (auch hier wieder auswählbar „Theatre: play/drama“) auf der Website Public.tableau.com aufbereitet. Vgl. DCMS o. J. a. ↩
- Vgl. Europäische Kommission 2012 und 2014. Zu beachten ist, dass anders als bei den anderen hier verwendeten Studien sich die Daten des Eurobarometers nicht nur auf England, sondern auf Gesamt-UK beziehen. ↩
- Hadley 2021, S. 187. ↩
- Vgl. DCMS 2022c. ↩
- Vgl. DCMS 2022a. ↩
- Vgl. DCMS 2023c. ↩
- Vgl. DCMS 2025a. ↩
- Vgl. Mantell/Brown 2023, S. 22. ↩
- Vgl. ebd., S. 17. ↩
- Vgl. ebd., S. 21. ↩
- DCMS o. J. a. ↩
- Die Optionen sind: „Bangladeshi, Chinese, Indian, Pakistani, Any other Asian background, African, Caribbean, Any other black, African, or Caribbean background, Mixed white and Asian, Mixed white and black African, Mixed white and black Caribbean, Any other multi-ethnic background, Arab, Any other ethnic group, English, Welsh, Scottish, Northern Irish, or British, Gypsy or Irish Traveller, Irish, Any other white background“. DCMS 2023b. ↩
- The Audience Agency o. J. b. ↩
- Vgl. Naylor et al. 2016, S. 136 f. ↩
- Vgl. DCMS o. J. ↩
- Vgl. Europäische Kommission 2014. ↩
- Die Zusammensetzung des Publikums bestand 2016 aus: 16- bis 24-Jährigen: 2 %; 25- bis 34-Jährigen: 6 %; 35- bis 44-Jährigen: 12 %; 45- bis 54-Jährigen: 21 %; 55- bis 64-Jährigen: 27 %; 65- bis 74-Jährigen: 25 %; 75-Jährigen und älter: 6 % (plus minus 2 % ob in London oder außerhalb von London). Vgl. Naylor et al. 2016, 136 f. ↩
- Vgl. DCMS o. J. a. ↩
- Vgl. ebd. ↩
- Vgl. Europäische Kommission 2014. ↩
- Vgl. The Audience Agency 2022b. ↩
- Vgl. DCMS o. J. a. ↩
- Vgl. ebd. ↩
- Vgl. The Audience Agency 2022a. ↩
- Vgl. Mantell/Brown 2023, S. 33. ↩
- „Pantomime“ bezeichnet im Englischen nicht ausschließlich eine rein mimische und gestische Ausdrucksform, sondern ebenfalls ein unterhaltendes Familienstück zur Weihnachtszeit, meist mit Elementen aus Märchen, Musical und Comedy. Die Oxford Encyclopedia of Theatre & Perfomance schreibt: „Shakespeare may be the national dramatist, but pantomime is still the British national entertainment. It accounts for approximately 20 per cent of all live performance, and approximately the same percentage of work for actors in live entertainments occurring between December and March.“ Mayer 2005, S. 997. ↩
- Vgl. Brownlee et al. 2016, S. 7 f. ↩
- Vgl. The Audience Agency o. J. c. ↩
- Vgl. Mantell/Brown 2023, S. 6. ↩
- Vgl. ebd., S. 8. ↩
- Vgl. ebd., S. 9. ↩
- Vgl. ebd., S. 12. ↩
- Vgl. ebd., S. 35. ↩
- Vgl. ebd., S. 34. ↩
- Vgl. ebd., S. 21. ↩
- Vgl. DCMS 2022a. ↩
- Vgl. DCMS 2025b. ↩
- Vgl. Europäische Kommission 2014. ↩

















